Endlich Pause für Eltern mit behinderten Kindern!

Junge im Rollator mit 2 Betreuerinnen

„Wir können nicht mehr!“, „Wir haben kaum noch Zeit für uns als Paar!“ Zu oft hat Ricarda Niewerth als Physiotherapeutin und zuletzt Cheftherapeutin des Curaçao Dolphin Therapy & Research Center diese Sätze von Eltern mit behinderten Kindern gehört. Sie entschied sich: Das „Problem“ braucht eine Lösung und gründete 2020 „Bagiri“ (www.bagiri.com), eine Plattform, welche das Leben von Eltern mit behinderten Kindern erleichtern soll.

„Fördernde und erleichternde Maßnahmen beziehen sich zum Großteil lediglich auf die Menschen mit Behinderung, die Familienangehörigen werden oftmals vergessen. Obwohl auch deren Gesunderhaltung von essenzieller Bedeutung für das Familienmitglied mit Behinderung ist“, erklärt Niewerth selbst ihre Motivation. Neben der Vermittlung kompetenter Betreuer bietet sie den Eltern auf der Plattform auch regelmäßige Workshops zu den unterschiedlichsten Themen an.

Durch das Anlegen eines Profils können die Nutzer von „Bagiri“ ihren Bedarf oder Service inserieren. Mittlerweile gibt es auf der Plattform über 250 Betreuer, welche im Gesundheitswesen arbeiten (u.a. Physiotherapie, Ergotherapie, Heilerziehungspflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Medizin, Sonderpädagogik).

Auf „Bagiri“ finden Eltern von behinderten Kindern:

  • Gute Betreuungsassistenz durch professionell ausgebildete Menschen
  • Entlastung und wertvolle Zeit für sich
  • Workshops zur Förderung der Entwicklung des Kindes mit Behinderung

Die Betreuer…

  • …sammeln wertvolle Erfahrungen
  • …können ihren Lebenslauf anreichern
  • … können selbstbestimmt und flexibel Geld verdienen
Junge Frau und Mädchen

Kinder mit Behinderungen, ob jung oder älter, bekommen durch „Bagiri“ mehr Kontakte außerhalb ihres Familienrahmens und gewinnen vielleicht sogar ziemlich beste Freunde – und ihre Eltern können sich ohne schlechtes Gewissen endlich regelmäßig Pausen einräumen! 

„Jahrelang haben wir versucht in unserem Umfeld gute Betreuung zu finden, leider vergeblich. Wir sind so dankbar, dass es jetzt Bagiri gibt!“

Monika -Mama einer Tochter mit schwerst merhfach Behinderung.

„Mit Bagiri haben wir innerhalb von wenigen Tagen eine tolle Betreuungsassistenz gefunden. Etwas das staatliche Organisationen jahrelang für uns, vergeblich, versucht haben.“

Barbara -Mama eines Sohnes mit Zerebralparese

Kontakt: Ricarca Niewerth ricarda@bagiri.com, info@bagiri.com

Webseite: www.bagiri.com

„Wir machen es dem Corona-Virus so schwer möglich“

Gabriele Roselieb
Gabriele Roselieb

„Alles Gute! Bleiben Sie bitte geduldig und achtsam! Halten Sie sich bitte an die Regeln! Und bleiben Sie mit Gottes Hilfe gesund!“ Schon die E-Mail-Signatur von Dr. Tobias Böcker, Geschäftsführer der SRH Schulen GmbH in Neckargemünd, macht deutlich, wie ernst die SRH die Corona-Pandemie nimmt.
Der Schutz der Schülerinnen und Schüler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der SRH Stephen-Hawking-Schule, der SRH Viktor-Lenel-Schule und der SRH Schulen Jugendhilfe ist seit Frühjahr 2020 das wichtigste Thema im Unternehmen.
Frühzeitig zu Beginn des Pandemiegeschehens wurde eine Task Force eingerichtet. Das „Covid-19-Team“ trifft sich seither wöchentlich, um die jeweils aktuelle Situation zu erörtern und – stets auf der Grundlage der geltenden Verordnungen – konkrete Maßnahmen in die Wege zu leiten.
Neben den Führungskräften aus allen Bereichen ist Gabriele Roselieb Teil des Gremiums. Die Kinderkrankenschwester und ausgebildete Hygienefachkraft ist in den SRH Schulen zuständig für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Hygiene.
„Wir haben schon sehr frühzeitig ein eigenes Hygienekonzept erstellt. Unser Blick muss schließlich weit über die unterrichtlichen Standardsituationen hinausgehen und auch die außerschulischen Lebensbereiche wie Therapie, Pflege, Schülertransporte sowie das Leben in Außenstandorten und Internatsgruppen betrachten.

Luftfilter im Klassenzimmer SRH Schulen

Aufgrund unserer umfangreichen Expertise im Haus – sonderpädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte, Pflegekräfte und therapeutische Fachlehrkräfte bis hin zum Technischen Service – konnten wir immer sofort handeln und auf die äußeren Gegebenheiten reagieren. Durch das große Netzwerk innerhalb der SRH-Familie durften wir sehr gute Unterstützung bei der Beschaffung von Schutzausrüstung und medizinischer Ausstattung erfahren.
Mit einem Verhaltens- und Hygieneregelkatalog von A bis Z informieren wir immer aktuell über die geltenden Schutzmaßnahmen. In ansprechendem, frischem und leicht verständlichem Design wirken die Vorgaben nicht wie ein schwerer Regelkatalog, sondern wie ein Appell – gemeinsam trotzen wir dem Corona-Virus. Um stets eine positive Grundhaltung zu bewahren, endet unser A bis Z mit dem Stichpunkt ‚Zuversicht‘.“
Der Appell an die Vernunft aller, die klaren Regeln und die bereits bestehenden, umfangreichen Hygienemaßnahmen werden ergänzt durch technische Maßnahmen.
Alle Unterrichts-, Differenzierungs- und Gruppenräume sind mit CO2-Warnampeln, vor allem aber mit Luftfiltergeräten ausgestattet.
„Diese Geräte schaffen es, die Konzentration von Viren und Bakterien um bis zu 90 Prozent zu reduzieren“, erklärt Torsten Lammer-Schmidt vom Technischen Service der SRH. „Das Gerät saugt die Raumluft an und filtert sie durch einen HEPA-Filter, der Pollen, Staub, Bakterien und Viren aus der Luft nimmt. So wird das Risiko von Ansteckungen signifikant verringert.“

Als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung war die SRH Stephen-Hawking-Schule auch während des Lockdowns im Januar/Februar 2021 nicht geschlossen. Gemäß der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg fand regulärer Präsenzunterricht statt. Zugleich wird für Schülerinnen und Schüler, die sich für das Homeschooling entschieden haben, bereits seit Beginn der Pandemie-Situation ein umfassendes Fernunterrichtsangebot realisiert.

Daniela Haas, Mutter einer Schülerin der SRH Stephen-Hawking-Schule: „Natürlich bereitet uns die aktuelle Corona-Situation Sorgen, aber an der SRH wurden schon früh und konsequent Vorsichtsmaßnahmen wie Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ergriffen sowie Luftfilteranlagen und CO2-Ampeln installiert, die die Raumluft von Viren und Aerosolen befreien bzw. an das Lüften erinnern. Dies zeigt uns, dass hier das Wohl und die Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt stehen und dass man sich in einem geschützten Rahmen befindet. Hier wurde schnell umgesetzt, worüber anderswo noch umständlich diskutiert wurde.“

„Keiner weiß wirklich, ob Schulen nicht doch Infektionsherde sind“, sagt Geschäftsführer Dr. Tobias Böcker. „Gerade im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, in dem wir auch für Schülerinnen und Schüler mit Asthma, Allergien oder Lungenproblemen die bestmögliche Bildung bieten, sind mir die Verlässlichkeit unserer Leistungen und der Gesundheitsschutz für alle Beteiligten sehr wichtig. Das sehr gefährliche Corona-Virus kann überall sein. Wir an den SRH Schulen wollen es ihm so schwer wie möglich machen.“

 

Fotos: SRH Schulen

Hört uns endlich! – Leise Hilferufe zählen! Pflegende Familien brauchen eine Lobby

Arzt bereitet Kind für eine Impfung vor
von Verena Sophie Niethammer

#CoronaEltern und #ElternInDerKrise sind Hashtags, die uns durch das Pandemiejahr begleiten – Eltern, die aufbegehren dagegen, alles auffangen zu müssen. Doch auch im zweiten Lockdown bleibt wieder das meiste an Familien – vor allem den Frauen – hängen. Diese Schieflage ist, ohne dass sie gelöst wird, immerhin bekannt. Unerhört bleiben indes die Rufe pflegender Familien am Ende ihrer Kräfte. Sie nimmt wieder fast niemand wahr – weder medial, gesellschaftlich noch politisch.

Spritze und Ampullen

Es ist richtig, dass neben medizinischen Fachkräften die Risikogruppe vorrangig geimpft wird. Doch nicht nur die Generation Ü80 und Heimbewohner*innen, sondern auch Minderjährige mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sind massiv bedroht! Aber sie stehen noch auf keinem Impfplan! Und was hilft es, wenn nur einer von mehreren pflegenden Angehörigen die Impfung erhält? Vor dem Hintergrund von zwölf Jahren UN-Behindertenrechtskonvention ist das Übersehen von Menschen mit Behinderungen auch nicht entschuldbar – und nun geht es wirklich ums Überleben! Deshalb macht die Aktion Risikogruppenkind mit einem offenen Brief darauf aufmerksam, dass man Kinder zu ihrem Schutz nicht dauerhaft isolieren darf. Sie fordert Impfung, Bildung und finanzielle Entlastung für uns pflegende Familien, die besonders gebeutelt sind durch die anhaltende Coronakrise. Wir sind in einem mehrfachen Dilemma: Bereits ohne Pandemie ist das Jonglieren mit Bedürfnissen, das Aufrechterhalten eines funktionierenden Alltags ein enormer Balance- und Kraftakt für ein Familiensystem. Nun kommt zur Pflegeverantwortung auch noch der Schutz des gefährdeten Kindes hinzu.

Unser Sohn hat letzten Herbst endlich einen Inklusionsplatz im Kindergarten bekommen. Kurz nach der Eingewöhnung, als die Fallzahlen nach oben schnellten, mussten wir ihn zu Hause lassen. So vieles ist hinfällig, anderes wie die Arbeit und Förderung muss weiterlaufen. Wir sagten u. a. eine wichtige Intensivtherapie ab, auf die wir schon seit Jahren gewartet hatten. Ohne Impfung ist es uns einfach zu gefährlich. Was bei ihm, der chronisch verschleimt ist und schon mit Bronchitis in der Klinik landet, Corona bedeuten würde, will sich keiner ausmalen. Seine kleine Schwester möchte so gerne ihre Freunde sehen. Sie vermisst furchtbar den Kindergarten, fragt nach Ausflügen. Schon früher konnten wir mit ihr nicht so viel unternehmen – jetzt sind wir stets am Abwägen: Was können wir ermöglichen, ohne Gefahr zu laufen, dass wir uns anstecken? Wenn, dann geht einer von uns mit ihr möglichst mit dickem Regenoverall nach draußen, der andere bleibt im „Hausarrest“ mit unserem Junior. Das geht auch auf die Psyche.

Fehlende Unterstützung prägte bereits vor der Krise das Leben von vielen pflegenden Eltern – und nun? Den meisten ist noch mehr Entlastung weggebrochen. Aber einfach die Schulen ohne gute Schutzkonzepte wieder zu öffnen, wie es in Baden-Württemberg bei den SBB ab Januar gemacht wurde, ist unverantwortlich. Daneben laufen alle Kämpfe weiter: das Streiten um Hilfsmittel, das Ringen um Teilhabe … Leider gibt es da keine Coronapause. Im Gegenteil, jetzt kommt noch einiges obendrauf: Die Kosten für Pflegemittel sind explodiert, die Schulbegleitung darf oft nicht mit nach Hause, FFP2-Masken und Schnelltests werden meist nur für Einrichtungen genehmigt, aber Familien, die mangels Pflegenotstand allein oder über das persönliche Budget pflegen, werden übergangen.

Wir sind es inzwischen so leid, übersehen zu werden. Viele resignieren. Raul Krauthausen schreibt, dass Menschen mit Behinderung eher leise leiden, weil es zu ihrem Leben gehört, immer wieder gegen Mauern zu rennen, und sie nicht als Opfer gesehen werden wollen. Melden sich Einzelne zu Wort, heißt es: „Ihr ruft zu leise – nur wer laut ist, wird gehört!“ Doch wie soll das gehen, wenn man am Ende ist? In jedem Erste-Hilfe-Kurs lernt man doch: Hilf erst denen, die still sind, die anderen haben noch Kraft zu schreien! Ich sehe nur eine Hoffnung darin, wenn wir uns nachdrücklich Gehör verschaffen. Es ist Wahljahr, wir haben alle unsere Stimmen. Schreibt euren lokalen Abgeordneten oder lasst eure Verbände dies für euch tun. Wir geben nur denen unsere Stimme, die für uns einstehen! Helft uns, gehört zu werden, schafft uns endlich eine Lobby!

Fotos: Halfpoint_shutterstock.com, Mongkolchon Akesin_shutterstock.com

Assistenzhunde – Freunde und Helfer fürs Leben

Nora (ein Mädchen im Rollstuhl) und Zoe (ein Assistenzhund)

Eine besondere Ruhe geht von Tatjana Kreidler aus, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Über 60 Teams hat die Diplom-Sozialpädagogin bereits ausgebildet, wie die ZDF-Sendung „Lebensretter auf vier Pfoten“ berichtet.

Im Jahr 2000 hat sie den gemeinnützigen Verein VITA e.V. Assistenzhunde gegründet, der Assistenzhunde für Menschen mit Behinderung ausbildet. Die von der Sozialpädagogin entwickelte Kreidler-Methode sensibilisiert Hund und Mensch fürei­nander und bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Miteinander. Hunde können ausdauernd, zuverlässig und voller Freude dem eingeschränkten Menschen eine höhere Lebensqualität ermöglichen. Lebensmut, Selbstvertrauen und die eigenständige Gestaltung des Alltags lassen sich so immens steigern.

Nora und Zoe

Frau Kreidler, wie lässt sich herausfinden, ob Assistenzhund und Mensch ein gutes Team bilden würden?

Genau wie wir Menschen ist jeder Hund anders und harmoniert nicht mit jedem menschlichen Partner. Entscheidungsgrundlage sind die Persönlichkeitsprofile, die die VITA-Mitarbeiter von Hund und Bewerber erstellen und miteinander abgleichen. Diese Profile müssen zusammenpassen wie Schloss und Schlüssel. Nur wenn alles stimmt, können beide Partner effektiv, vertrauensvoll und zum gegenseitigen Nutzen zusammenarbeiten.
Während des sogenannten Matchings beschnuppern sich dann Hund und Bewerber, verbringen Zeit mit gemeinsamem Kuscheln und gehen zusammen mit mir spazieren. Die folgenden Tage des Matchings im VITA-Ausbildungszentrum liefern durch Gespräche und intensive Beobachtung Klarheit darüber, ob die Chemie zwischen Bewerber und Hund stimmt.

Erfährt ein Assistenzhund Freude während seiner Tätigkeit oder ist es „Arbeit“ für den Hund?

Auch ich hatte vor meiner Ausbildung zum Instructor größte Bedenken, dass Behindertenbegleithunde nur als Hilfsmittel benutzt werden, dass sie funktionieren sollen und kein artgerechtes Leben führen können. Dürfen die Hunde jemals laufen, spielen und umhertollen? Dann begegnete ich in Großbritannien den ersten Teams. Ausgeglichene Hunde sahen ihre Menschen rutenwedelnd und mit fröhlichen Augen an, die sagen wollten: „Hey, hast du nicht noch einen Job für mich?“ Ich war völlig fasziniert.
Natürlich dürfen VITA-Assistenzhunde auch laufen, spielen, schwimmen etc. Darüber hinaus haben sie etwas, was die meisten Hundeführer ihrem Hund nicht bieten können: Sie sind Teil eines völlig aufeinander angewiesenen Teams.

Nora und Zoe bei Noras Einschulung

Eines dieser ganz besonderen Teams bilden Hündin Zoe und Nora, die an einer seltenen Muskelerkrankung leidet und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Unter strengen coronabedingten Hygienereglungen fand im Juni 2020 ein sogenanntes Matching statt, bei dem geschaut werden sollte, ob Hund und Mensch zueinanderpassen. Schnell war klar, dass zwischen der schwarzen Labradorhündin Zoe und dem selbstbewussten Mädchen eine besondere Bindung bestand. Kurz darauf konnte die Zusammenführung starten. Seit Noras Einschulung im Herbst 2020 steht Zoe an Noras Seite und ist ihr dabei behilflich, mehr und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.

Brief von Nora an VITA e.V.

Spielt es bei der Ausbildung des Hundes eine Rolle, ob er später einen Erwachsenen oder ein Kind unterstützen soll?

Ein Assistenzhund kann eine besondere Rolle in der Entwicklung von körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen spielen. Er vermittelt ihnen uneingeschränkte Geborgenheit und emotionale Sicherheit. Er ist Partner und Spiel­kamerad zugleich und macht unabhängiger von den Eltern. Der Assistenzhund steigert langfristig das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen und hilft, eigene Kompetenzen zu erlangen und zunehmend Verantwortung für sich und den Hund zu übernehmen. Das ganzheitliche Konzept, nach dem wir arbeiten, beeinflusst die Entwicklung von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten in allen Lebensbereichen positiv und schafft Veränderung. Die VITA-Assistenzhunde wirken psychisch, physisch, sozial und kognitiv.

Mehr Infos unter:
www.vita-assistenzhunde.de

Der Verein VITA e.V. Assistenzhunde stellt Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Situation einen vierpfotigen Partner zur Seite. Die Kosten für die Zeit des Aufwachsens und der Ausbildung eines Assistenzhundes belaufen sich, ohne die hundelebenslange Nachbetreuung, auf durchschnittlich 25 000 Euro. Die Finanzierung der VITA-Assistenzhunde erfolgt durch Spenden, Fördermitglieder und Sponsoren, ebenso auch die Ausbildung und Nachbetreuung der Hunde.

Quellen: vita-assistenzhunde.de, wikipedia.org; Fotos: vita-assistenzhunde

Buchrezension: Liebe deinen Körper

„Liebe deinen Körper“ Das Schlagwort Selflove geht auf die Body-Positivity-Bewegung aus den USA zurück. Nur ist dieser ursprünglich feministisch geprägte Begriff zum Trend avanciert und wird inhaltlich ausgehöhlt – ähnlich wie Diversity – gerne zur Vermarktung für alles Mögliche verwendet. Das Sachbilderbuch „Liebe deinen Körper. Die Anleitung zur Selbstliebe“ von der Australierin Jessica Sanders hingegen ist prall gefüllt mit vielfältigen Bildern junger Frauen und der Botschaft „Jeder Körper ist gut so, wie er ist!“ Die Zeichnungen von Carol Rossetti zeigen Mädchen mit ganz unterschiedlichen Körperformen, Ethnien, mit Behinderungen, Krankheiten und Merkmalen wie Narben im Comicstil. Die Texte sprechen die Leserinnen direkt an und regen zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild an. Teilweise wiederholen sich die Formulierungen recht formelhaft: „Mein Körper ist stark. Mein Körper kann großartige Dinge tun. Mein Körper gehört mir.“ Diese Anleitung zur Selbstliebe sollen Mädchen und alle, die sich als weiblich identifizieren, zusammen mit Erwachsenen lesen, was sinnvoll ist angesichts der Komplexität des Themas. Auch die Pubertät wird am Rande angesprochen und der Hinweis gegeben, dass man sich bei Problemen Hilfe holen sollte. Dazu gibt es weiterführende Hinweise und Kontakte am Ende des Buchs. Die Autorin hat auch ein Selbstliebebuch, das sich gezielt an Jungen richtet, verfasst: In „Sei ein ganzer Kerl“ geht u. a. um Geschlechtsstereotype. In diesem Mädchenbuch überwiegt jedoch die Fokussierung auf den Körper, wenngleich auch Eigenschaften und innere Werte thematisiert werden. Dennoch bietet „Liebe deinen Körper“ sicher viele Anknüpfungspunkte für Gespräche und unterstützt ein gutes Körperbewusstsein.

Eine Rezension von Verena Niethammer

 

Buchcover: siehe Buchverlag

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Das Glück dieser Erde…liegt manchmal tatsächlich auf dem Rücken der Pferde.

Der Geruch nach Stall, die Freiheit auf dem Pferdesattel und das gemeinsame Erkunden der Natur – Pferdeliebhaber haben nicht einfach nur ein Hobby, sondern oftmals auch eine Beschäftigung gefunden, die tiefe Befriedigung und Wohlbefinden herbeiführen kann.

Insbesondere auf Kinder und Jugendliche üben diese großen und gutmütigen Tiere oft eine Faszination aus.

Pferde sind jedoch nicht nur schöne und edle Tiere, sondern bereits seit Jahrtausenden wichtige Helfer des Menschen: Früher trugen sie Menschen über weite Strecken und dienten als Fortbewegungsmittel. Auch transportierten sie damals schwere Lasten und wurden zum Ackerbau eingesetzt. Hierfür wurden meist die sogenannten Kaltblüter ausgewählt. Dies sind Pferderassen, die besonders schwer und stark sind. Kaltblüter lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und dienen auch heute noch manchmal dazu, schwere Baumstämme aus dem Wald zu ziehen. Der Name „Kaltblüter“ drückt übrigens nicht aus, dass diese Pferdeart kaltes Blut hat, sondern bezieht sich auf das ruhige Temperament dieser Pferderasse. Es gibt auch Vollblüter. Hiermit sind edle Pferderassen mit einem schlanken und anmutigen Körperbau gemeint. Sie werden beispielsweise als Rennpferde eingesetzt.

Zudem müssen noch die Warmblüter genannt werden. Hierbei handelt es sich um eine Mischform, bei der Kalt- und Vollblüter miteinander gekreuzt wurden. Diese leistungsbereiten Tiere bewegen sich gerne und werden beispielsweise im Springsport bevorzugt eingesetzt.

Man vermutet, dass die Heimat der Pferde ursprünglich in Asien lag. Dort lebten sie als Lauf- und Fluchttiere in Herden zusammen. Heutzutage sind die gezüchteten Hauspferde jedoch durch den Menschen auf der ganzen Welt verbreitet. Es existieren rund 280 verschiedene Pferde- und Ponyrassen.

Bei guter Pflege und artgerechter Haltung können Pferde 30 Jahre und älter werden. Das Alter eines Pferdes lässt sich anhand der Zähne feststellen. Zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren verlieren Pferde ihre Milchzähne. Je älter die Pferde werden, desto häufiger lassen sich schwarze Vertiefungen an den Zähnen erkennen, die Auskunft über das Alter geben können.


Wissenswertes:

  • Pferdeschwangerschaften dauern durchschnittlich elf Monate.
  • Schimmel sind in ihren ersten Lebensjahren dunkel gefärbt.
  • Die Bezeichnung „PS“ bedeutet Pferdestärke und hat ihren Ursprung tatsächlich in der Stärke von Pferden.
  • Pferde trinken bis zu 35 Liter Wasser am Tag.
  • Das schnellste Pferd der Welt erreichte eine Geschwindigkeit von über 70 km/h.

Reitsport ist insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen die drittbeliebteste Sportart. Kinder im Vorschulalter können bereits an geführtem Ponyreiten oder Voltigierunterricht teilnehmen und im Grundschulalter dann unter fachkundiger Betreuung an das eigenständige Reiten herantasten. Ab einem Alter von etwa 10 bis 13 Jahren können kleine Reiter auch bereits abseits fachlicher Betreuung den Umgang mit dem Pferd erlernen. Reiten gilt als sehr sportliches Hobby, was sich nachweislich positiv auf die Gesundheit auswirkt. So findet es häufig an der frischen Luft statt und durch die Muskelanstrengung beim Reiten ist quasi eine Rundumversorgung der Muskeln garantiert. Reiter müssen zudem die Sprache ihres Pferdes erlernen, was die Empathiefähigkeit fördert.

Manche Eltern mögen sich die Frage stellen, ob Reiten nicht zu gefährlich für ihr Kind ist. Tatsächlich birgt das Reiten einige Risiken und in den Medien hört man häufig von teils schwerwiegenden Unfällen. Wissenschaftler kamen jedoch zu der Erkenntnis, dass nur etwa 54 % aller Reitunfälle beim Herunterfallen verursacht werden. Der Rest erfolgt beispielsweise durch Tritte des Pferdes. Viele Reitunfälle lassen sich durch achtsame Kinder und Betreuer, Vorsichtsmaßnahmen, einen guten Umgang mit dem Pferd und eine geeignete Ausrüstung vermeiden.

Der Pferdewirt

Aus der Begeisterung für Pferde heraus kann der Wunsch entstehen, sich auch beruflich mit diesen Tieren zu beschäftigen. Der Pferdewirt stellt als anerkannter Ausbildungsberuf eine Möglichkeit hierfür dar.

Bevor man sich für eine Ausbildung zum Pferdewirt entschließt, muss man sich für eine Ausrichtung entscheiden: Pferdehaltung, Pferdezucht, klassische Reitausbildung, Pferderennen oder Spezialreitweisen (wie Western- oder Gangpferdereiten).

Der Arbeitstag eines Pferdewirts beginnt meist früh morgens, so dass Langschläfer sich in diesem Beruf vielleicht nicht wohlfühlen. Als Pferdewirt muss man sich zudem auf das Arbeiten am Wochenende einstellen. Turniere oder Pferdezuchtschauen finden meist nämlich nicht innerhalb der Woche statt.

Zu den Aufgaben eines Pferdewirts gehört unter anderem die Pflege von Pferden, die Zucht und das Training. Sie können Reitunterricht geben oder Pferde auf Turniere vorbereiten. Außerdem verfügen sie über ein hohes Fachwissen im Hinblick auf Ernährung und Bewegung der Tiere. Das Stall-Ausmisten, Satteln und Füttern gehören ebenfalls zu den alltäglichen Aufgaben. Der Beruf erfordert also auch körperliche Belastbarkeit.

Pferdewirte können sich selbstständig machen oder als Angestellte arbeiten. Auch eine Meisterprüfung oder ein Studium der Pferdewissenschaften ist möglich.

Um als Pferdewirt glücklich werden zu können, benötigen Interessierte eine gute Beobachtungsgabe, ein schnelles Reaktionsvermögen, Liebe für die Tiere, Zuverlässigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Auch sollten körperliche Fitness und eine gewisse sportliche Begabung vorliegen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann Pferdewirt ein sehr erfüllender Beruf sein.

 

Fotos: pixabay.com. pxhere.com Quellen: biologie-schule.de, kindernetz.de, planet-wissen.de, ausbildung.de, reiten-weltweit.info

Sport bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen

Die Kinder und Jugend des Behinderten- und Rehabilitationsportverbands NRW e.V. (BRSNW KiJu) bietet Fortbildungen zum Thema “Sport bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen” für Übungsleitungen und Lehrkräfte an.

Diese basieren auf dem Curriculum Basismodul „Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen“, das der Deutsche Behindertensportverband e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Behindertensportjugend, der Kinderherzstiftung, der Uniklinik und Universität zu Köln sowie dem Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. verfasst hat.

Auch Sie als Eltern können aktiv die Bedingungen für das Sportangebot Ihres Kindes verbessern. Dazu möchten wir Ihnen einige Tipps geben:

  1. Sprechen Sie vor Aufnahme einer sportlichen Aktivität unbedingt mit dem Facharzt oder der Fachärztin Ihres Kindes:

Diese*r soll Ihnen ein möglichst ausführliches Attest der Sporttauglichkeit ausstellen. Dieses sollte neben der Diagnose auch krankheitsspezifische Angaben zur Belastungsfähigkeit enthalten (z.B. Auslöser eines allergischen Schocks, Nebenwirkungen von Medikamenten, Herzfrequenzbereiche). Das „Sportattest“ der Stiftung Kinderherz bietet dafür eine gute Grundlage. Sprechen Sie Ihre Kinder- und Fachärzt*innen darauf an. Informationen dazu gibt es hier: https://www.stiftung-kinderherz.de/sportattest.html

  1. Gehen Sie offen mit dem Thema um:

Die während der Sporteinheit verantwortliche Person muss dringend über die chronische Erkrankung Ihres Kindes informiert werden! Aber auch für das soziale Gefüge der Gruppe ist ein offener Umgang mit der chronischen Erkrankung wichtig. Andere Kinder in der Gruppe wollen wissen, warum Ihr Kind beispielsweise häufiger Pausen machen muss oder bestimmte Dinge nicht machen darf. Ein offener Umgang bei Fragen von Kindern oder Eltern erleichtert es Ihrem Kind, sich in die Gruppe einzufinden und sich wohl zu fühlen.

  1. Informieren Sie die verantwortlichen Personen über Veränderungen:

Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen ändern sich Gesundheitszustände und Medikationen regelmäßig. Sollten diese Änderungen Auswirkungen auf den Sport haben, informieren Sie unbedingt die Übungsleitung oder Lehrkraft darüber. Bei umfangreichen Veränderungen können Sie sich erneut ein ärztliches Attest über die Sporttauglichkeit ausstellen lassen.

  1. Seien Sie erreichbar:

Auch wenn die Gefahr einer Notsituation bei Beachtung der ärztlich vorgeschriebenen Regeln gering ist, sollten Übungsleitung oder Lehrkraft Ihre Kontaktdaten kennen. Auch kann es sinnvoll sein, den Namen der Klinik und des Arztes bzw. der Ärztin mitzuteilen, von dem Ihr Kind wegen der chronischen Erkrankung behandelt wird. Im Falle eines Falles können diese Informationen an Rettungskräfte weitergeben werden.

  1. Holen Sie sich Unterstützung:

Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen können unter bestimmten Voraussetzungen personelle Unterstützung auch für den Freizeitbereich erhalten. Kostenlose Informationen zu möglichen Unterstützungsangeboten geben Ihnen die Beratungsstellen der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Ein entsprechendes Angebot in Ihrer Nähe finden Sie hier:

https://www.teilhabeberatung.de/beratung/beratungsangebote-der-eutb

Wenn Sie geeignete Sportangebote suchen, sprechen Sie uns an oder weisen Sie Schulen und Vereine auf unsere Fortbildungen hin.

Trauen Sie sich – es ist vieles möglich!

Ansprechpartner
Darius Dincklage
Referent Kinder und Jugend

Telefon: 0203 7174 166
Email: dincklage@brsnw.de

 

Fotos: ©Canva

Sachsen entdecken

Mutter mit 2 Kindern im Ruderboot

Geschichtsträchtige Städte & beeindruckende Natur

Der Freistaat Sachsen gehört zu einer der vielfältigsten Kulturlandschaften Europas. Begeisterung wecken Kunst und Kultur ebenso wie vier beeindruckende Mittelgebirgslandschaften. So ist Sachsen ein Hotspot für Kultur- und Städtereisende ebenso wie für Aktive aus aller Welt.

Ungetrübter Urlaubsspaß ist in Sachsen garantiert

Es gibt viele Dinge, die man sich für den Familienurlaub wünscht – böse Überraschungen gehören ganz sicher nicht dazu. Dass Sachsen sich auf die ganz speziellen Bedürfnisse von Familien und Menschen mit Beeinträchtigungen eingestellt hat, belegt eine Vielzahl an Hotels, Pensionen, Ferienhäusern und Freizeiteinrichtungen, die mit dem Prädikat „familienfreundlich“ und „Sachsen Barrierefrei“ ausgezeichnet sind.

Museum in Leipzig

Schönheit im Großen und Kleinen

Madonnen, Engel, Traumschlösser und Landschaftsbilder wie gemalt – in Sachsen fühlt man sich dem Himmel ein Stückchen näher. Mit dem Kopf in den Wolken? Und ob! Die Füße auf Sandsteinfelsen, die Räder auf Waldboden?
Unbedingt! Aus dem Erzgebirge kommt großartige Handwerkskunst, die Nüsse knackt und Zähne zeigt. Berühmter noch sind die Kulturschätze, verbunden mit hochkarätigen Veranstaltungen. Dazu unterstreichen zwei UNESCO-
Weltkulturerbestätten den Ruf Sachsens als Kulturreiseziel Nummer 1 in Deutschland: die „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ und der „Muskauer Park / Park Mużakowski“ in Bad Muskau. Und außerdem bietet Sachsen Quellen der Kraft: in den traditionsreichen Kurund Bäderorten im Vogtland, im Erzgebirge, in der Region Leipzig und in der Sächsischen Schweiz. Sachsen ist ein Entdeckerland – warum nicht auf der Elbe an Bord eines historischen
Schaufelraddampfers? Jetzt auf nach Sachsen!

Text: TMGS, Fotos: S. Dittrich, Philipp Kirschner und Thomas Schlorke

Elizans Geschichte

Elizan mit ihren Eltern

Hallo.
Sie sind wahrscheinlich ganz verwundert,
wieso ich Ihnen eine E-Mail schreibe.

Ich möchte mich ganz kurz vorstellen, damit Sie auch wissen, wer Ihnen schreibt. Ich heiße Lisa Akay, bin 32 Jahre alt und komme aus Moers. Ich wohne mit meinem Mann und meinen zwei wundervollen Kindern zusammen.
Und da kommen wir auch schon zum Thema: Es geht um meine kleine Tochter Elizan. Sie ist an einem sehr seltenen Syndrom erkrankt. Die Diagnose haben wir im Juli 2019 bekommen. Mit vier Monaten hatte sie ihre erste OP nach der Diagnose ­„Hydrocephalus“ – so hat die Leidensgeschichte begonnen.

Elizan füttert einen Esel
Elizan hält ihrem Bruder die Augen zu

Per Noteinweisung sind wir ins Krankenhaus gefahren und von da an war nichts mehr, wie es war. Unzählige OPs folgten daraufhin, es kamen immer mehr Krankheiten dazu. Ich musste mich als Mutter einsetzen, dass diese diagnostiziert wurden. Es folgten ein Herzfehler und Nierenerkrankungen. So lief es die letzten vier Jahre: viele OPs und Krankenhausaufenthalte.

Irgendwann fing es an, dass Elizan sich komisch verhalten hat. Sie hat aus dem Nichts sehr extreme Wutanfälle bekommen. Diese waren aber nicht so, wie ich sie von meinem größeren Sohn kannte. Sie war auf einmal ein völlig anderes Kind, hat mich gebissen, geschlagen, mir die Haare rausgezogen. Ich wusste nicht mehr weiter und war so verzweifelt. Zudem habe mir so schlimme Vorwürfe gemacht, dass ich nicht gut genug bin als Mutter. Irgendetwas muss ich doch falsch gemacht haben. Familie und Freunde waren davon überzeugt, dass es wegen der ganzen Krankenhausaufenthalte so gekommen ist. Was sollte man auch erwarten – ein kleines Mädchen, das zwei Jahre nur leiden musste und kaum einen Moment hatte, ohne Schmerzen zu sein.

Von da an war nichts mehr, wie es war.

Kurz nach ihrem zweiten Lebensjahr kam noch hinzu, dass sie nicht schlafen konnte. Sie hat sich gequält und sich in der Nacht geschlagen und den Kopf gegen die Wände gehämmert aus lauter Verzweiflung. Wir als Eltern waren am Ende. Das war doch nicht mehr unsere Kleine. Wir sind von Arzt zu Arzt gerannt, weil wir uns sicher waren, dass irgendetwas nicht stimmt. Dazu kam, dass sie sich einfach nicht „normal“ entwickelt hat. Sie war mit 24 Monaten auf dem geistigen Stand eines zehn Monate alten Babys. Sie wächst nicht richtig, kann nicht richtig sprechen und nicht essen – hierbei verschluckt sich Elizan mehrmals.

Gott sei Dank begleitete uns bei der Frühförderungsstelle eine supertolle Ärztin, die Kontakte zu der Humangenetik in Münster hatte. „Ich glaube, etwas stimmt nicht mit Elizan. Das sollten wir von Profis kontrollieren lassen.“ Fünf Monate später, nach der Aufnahme und Untersuchungen in der Humangenetik, habe ich einen Anruf bekommen: „Hallo Frau Akay. Wir haben die Ergebnisse von Ihrer Tochter Elizan. Es hat etwas gedauert, weil wir den Chromosomentest zweimal durchgeführt haben, um 100 Prozent sicher zu sein. Wenn es möglich ist, kommen Sie bitte nächste Woche zu uns.“

Elizan verkleidet

Eine Woche lang konnte ich nicht schlafen.

Dann kam der Tag des Termins und ich war sehr aufgeregt. Was werden sie mir wohl sagen? Habe ich gleich eine Erklärung für Elizans Verhalten? Wieso sie sich selbst verletzt, den ganzen Tag nur schreit, den Kopf gegen die Wand haut und nicht schlafen kann. Da saß ich dann nun. Ich war wie in Trance. „Ihre Tochter hat das Smith-Magenis-Syndrom (SMS).“ DAS WAS? „Bei Ihrer Tochter liegt ein Defekt am 17. Chromosom vor. Ein Stückchen vom kleinen Ärmchen fehlt, dadurch fehlen ihr 54 Gene. Ihre Tochter wird geistig immer schwer behindert bleiben.“

Ich habe so geweint.
Zuerst war es Erleichterung!
Ich hatte eine Erklärung, wieso sie so ist, und habe nichts falsch gemacht!

Der andere Gedanke: Wie soll ich das schaffen? Ich kann doch kein schwerbehindertes Kind großziehen. Ich werde sie niemals in einem weißen Kleid sehen oder Enkelkinder von ihr kriegen. Was für ein doofer Gedanke. Aber heute weiß ich, das ist ein normaler Gedanke, und einige Eltern aus unserer Selbsthilfegruppe hatten ebenfalls diese Gedanken. Nach dem Gespräch fuhr ich nach Hause und fiel meinem Mann weinend in dem Arm. Mir wurde in den Tagen danach erst bewusst, was das für den Rest unseres Lebens heißt! Ein schwerbehindertes Kind, was nicht normal ist, aber irgendwie doch normal.

Elizan mit ihrem Bruder

Wieso ich Ihnen all das ­Persönliche erzähle?

Ich habe ein großes Verlangen nach Aufklärung – Aufklärung über ein Leben mit einem behinderten Menschen in seinem Leben. Ich möchte, dass mit den Vorurteilen über behinderte Menschen aufgeräumt wird. Ich möchte, dass die Menschen sehen, dass es auch Menschen mit einer Behinderung gibt, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Dass man nicht Urteile fällt über eine Situation, die man in Sekunden oder Minuten mitbekommt. Denn sie sind nicht böse, wenn sie einen schlimmen Wutanfall bekommen, wenn sie in der Öffentlichkeit schreien, sich schlagen. Wir haben uns schon sehr viele böse Kommentare anhören müssen. Ich wünschte mir, man hätte uns einfach gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Wenn Elizan könnte, würde sie sich richtig verhalten. Wenn Menschen mit SMS sich freuen, dann freuen sie sich, und zwar so laut, dass es jeder mitbekommt. Wenn ein Mensch mit SMS sauer ist, dann wütet er mit aller Kraft, die er aufbringen kann.

Ich möchte mehr über dieses sehr seltene Syndrom erzählen. Ich möchte, dass sich Eltern an ihre Ärzte wenden können, wenn sie bei ihrem Kind die von mir beschriebenen Symptome erkennen, und nicht genauso verzweifeln wie wir. Ich möchte, dass man unsere Kinder akzeptiert, dass „behindert“ kein Schimpfwort ist und dass diese Erkrankung einen Bekanntheitsgrad erreicht und so vielleicht vielen Menschen geholfen werden kann.

Infos zur Selbsthilfegruppe Sirius e. V. unter:
www.smith-magenis.de

Fotos: Melanie Stöger, privat Fam. Akay

Samuel – 19 Jahre. Und immer noch Trixxer

Samuel

Das TRIX von HASE BIKES ist ein Therapie-Rad für Kids und hat eine Hilfsmittelnummer. Samuel war 13, als er sein mattschwarzes Trike bekam und die Geschwindigkeit für sich entdecken konnte. ­
Er liebt es bis heute.

Samuel

Aus Sunshine Sammy ist Samuel geworden. Geblieben ist dieses unfassbar entwaffnende Lächeln, das ihm so viele Türen öffnet. „Samuel hat oft Glück. Ihm passieren die guten Dinge“, erzählt Betty Fernandez. Das ist gut so, denn ihr Sohn kam mit dem Sjögren-Larsson-Syndrom zur Welt, das seine körperliche und geistige Entwicklung stark beeinträchtigt. Das Laufen mit Krücken fällt schwer, sein Alltagsgefährt ist der Rolli. Aber in der Freizeit geht es ab, seit das TRIX im Haus ist. Als Delta-Trike mit tiefem Schwerpunkt ist das TRIX nämlich kippsicher und wendig zugleich, und Sam liebt es, damit unterwegs zu sein. Damit das trotz der Spastiken in seinen Beinen möglich ist, hat HASE BIKES das TRIX mit einem starren Gang ausgestattet und Spezialpedale mit Wadenhalter montiert.

Mittlerweile ist Samuel 1,75 Meter groß, aber zum Glück wächst das TRIX mit, und noch gibt es Luft nach oben – 15 Zentimeter, um genau zu sein. Der HASE-BIKES-Händler in Trebur steht als Servicepartner allzeit bereit, um Anpassungen vorzunehmen, und außer einem Verschleißteil war bisher alles top am Trike. Als wegen Corona auch Sams schulbegleitendes Internat geschlossen werden musste, wohnte er vorübergehend wieder zu Hause. „So hat uns Corona 3 ½ tolle gemeinsame Monate beschert.“ Wie bei so vielen stand auch bei Familie Fernandez das Radfahren während des Lockdowns hoch im Kurs. Weil Samuel keine Mammuttouren fahren kann, haben sie sich bei Freunden einen VW-Bus geliehen, in dem sie ihre E-Bikes und das TRIX an Ausflugsziele transportieren konnten, um dort Neues zu erfahren. „Eine schöne Zeit!“, schwärmen Betty und ihr Mann Dave, und man spürt die leise Wehmut darüber, dass ihr Sohn jetzt wieder – wie die große Schwester Isabel – nur jedes zweite Wochenende zuhause ist.
Aber eigentlich ist das ja ganz toll, denn Sam hatte wieder einmal Glück und bekam Ende Juli einen Platz in einem Wohnprojekt für junge Erwachsene. Von dort hat er es nicht weit zu den Schlockerhof-Werkstätten, wo er jetzt in diversen Ausbildungsbereichen seine Talente entdecken kann. Eine Fahrrad-Werkstatt ist übrigens auch dabei …

Mehr Informationen unter
www.hasebikes.com

Fotos und Text: Hase Bikes