Oona Devi Liebich im Gespräch

Oona Devi Liebich

Liebe Frau Liebich, Sie sind eine sehr gefragte Schauspielerin, weshalb wir uns umso mehr bei Ihnen bedanken möchten, dass Sie sich für unsere besonderen Kinder – wie wir Kinder mit Handicap nennen – gerade auch in dieser außergewöhnlichen Situation Zeit genommen haben.

Sie als engagierte und berufstätige Mutter sind in Ihrem Job sicherlich sehr eingespannt und durch die unterschiedlichen Drehorte wahrscheinlich auch nicht ­permanent in der Nähe Ihrer Töchter und Ihres Partners. Wie kriegen Sie diesen Spagat hin? Oder kommt dann bei Ihnen schon einmal ein schlechtes Gewissen auf?

Das stimmt, als SchauspielerIn ist man viel unterwegs. Meine Familie hat oberste Priorität. Wir versuchen, immer zusammen zu sein. Bei meiner letzten Produktion, „Tonio & Julia“, hatte ich das große Glück, meine Familie bei mir zu haben, aber auch nur, weil es mir von meinem Arbeitgeber ermöglicht wurde. So mussten wir nicht ständig zwischen Berlin und Bad Tölz hin und her pendeln. Dadurch kamen wir auf die Idee, unsere große Tochter für einen gewissen Zeitraum dort auf die Schule gehen zu lassen. Es war eine Herausforderung für sie, aber sie ist daran sehr gewachsen und hat heute noch Kontakt mit ihren dort gefundenen Freundinnen. Bei unserer jüngeren Tochter haben uns meine Schwiegereltern sehr geholfen. Sie haben mit mir zusammen in Bad Tölz gewohnt. Ich will diese Zeit nicht missen.

Oona Devi Liebich und Partner

Wir beschäftigen uns – nicht nur von Berufs wegen, sondern auch über unseren Verein Momo e.V. – mit mobilitätseingeschränkten Kindern, Geschwisterkindern und deren Familien.
Haben Sie bereits Erfahrungen in diesem Bereich gemacht und gibt es da in Ihrem privaten Bereich Berührungspunkte?

Ich selbst bin in einen integrativen Kindergarten gegangen. Als Kind mit Kindern aufzuwachsen, die nicht die gleiche Mobilität haben wie man selbst, sensibilisiert ungemein. Man hilft, wo man kann, und fühlt sich plötzlich ganz groß. Einer meiner Freunde dort hatte Trisomie 21. Wir haben viel von ihm gelernt und er von uns. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück und bedauere es sehr, dass nicht alle Kindergärten so sind.

Sie sind beide berufstätige Eltern und in dieser schwierigen Situation wird vielen Eltern einiges abverlangt, z. B. Homeschooling.
Was würden Sie sich zu diesem Thema wünschen?

Die Schule und die LehrerInnen meiner ältesten Tochter haben die Situation von Anfang an unglaublich gut gemeistert. Bei vielen meiner Freunde hat es mit ihren Kindern und dem Distanzunterricht nicht geklappt, da es an den nötigen technischen Mitteln gefehlt hat. Ich wünsche mir, dass Schulen und Eltern jetzt umso mehr unterstützt werden sollten, damit keines unserer Kinder durch den Distanzunterricht benachteiligt wird.

Oona Devi Liebich

In der Fernsehserie „Tonio & Julia“ spielen Sie eine engagierte Familientherapeutin.
Ist dies eine Rolle, in die Sie sich einarbeiten mussten, oder sind Sie auch im privaten Bereich ein bisschen Mediatorin?

Ich mochte die Rolle der Julia sofort. Ich empfand sie als aufregend, da das Thema Familientherapie für mich Neuland war. So habe ich mir Rat von einer Therapeutin geholt und auch viel auf dem Gebiet recherchiert. Für mich ist es ein bewundernswerter Beruf. Man versucht, dem Patienten zu helfen, ohne ihm seine eigene Meinung aufzudrücken – das ist gar nicht so leicht. Versuchen Sie das mal bei der nächsten Gelegenheit. (lacht)

Das Leben schlägt manchmal Haken und ist nicht immer planbar.
Unser Magazin Momo ist für Eltern und Kinder, die besonders sind. Es soll nicht nur Mut machen und zeigen, was im Alltag alles möglich ist, sondern auch Eltern und Betroffenen die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen. Betroffene Eltern für Eltern!
Was würden Sie unseren kleinen und großen Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?

Ich finde es großartig, dass es dieses Magazin gibt. Mut zu machen, ist stark. Sich gegenseitig zu helfen, ist noch stärker, gerade in so besonderen Zeiten wie jetzt. Ich wünsche allen Geduld und Zuversicht und gebe ihnen eine dicke Umarmung.

Vielen herzlichen Dank für dieses Interview!

Martina Lange
Chefredakteurin Magazin Momo –
Mobilität & Motion

Fotos: Michael Marhoffer, Susanne Bernhard © zdf.de_Fernsehserie Tonio & Julia

Jessica Ginkel im Gespräch

Jessica Ginkel

Liebe Frau Ginkel, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit mir genommen haben.

Sehr gerne.

Man kennt Sie beispielsweise aus der Fernsehserie „Der Lehrer“. Dort spielten Sie an der Seite Ihres Kollegen Hendrik Duryn die Lehrerin Karin Noske. Hat Ihnen Ihr Studium der Grundschulpädagogik beim Einfinden in diese Rolle geholfen?

Im ersten Atemzug würde ich Nein sagen, da die Figur sich nach dem Drehbuch verhält. Allerdings beschäftigt man sich in der Vorbereitung intensiv mit seiner Figur, mit vielen Fragen wie „Wo kommt sie her, wie ist der familiäre Background, wie ist der Beruf, der in diesem Fall ja auch ständig bespielt wird?“ und da habe ich schon einen kleinen Vorteil und musste mich nicht extra vorher einarbeiten.

Die momentane Situation stellt viele berufstätige Eltern vor besondere Herausforderungen. Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Berufstätigkeit und Betreuung Ihrer Kinder jetzt während der Corona-­Pandemie?

Ich würde behaupten wie bei den meisten Eltern. Mal mehr, mal weniger gut und Spagat trifft es echt gut.
Wir haben das große Glück, Eltern zu haben, die weiterhin für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen. So können wir auch im Fall von geschlossenen Kitas und Schulen unsere Arbeit ausüben.

Sie waren in Ihrer Schauspielkarriere bereits in vielen unterschiedlichen Rollen zu sehen. Welche davon war Ihnen die liebste und gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch einmal spielen möchten?

Jessica Ginkel

Meine liebste Rolle …? Hmmm … Ich habe all meine Rollen sehr gerne gespielt und würde sie vermutlich auch alle noch einmal spielen.
Die Figuren, die mich sehr lange begleitet haben, sind mir natürlich etwas stärker ans Herz gewachsen. Da spielt dann aber auch die Beziehung zu den Kollegen vor und hinter der Kamera eine wichtige Rolle (lange und intensive Rollen waren Karin Noske in „Der Lehrer“ oder auch Lena in der Telenovela „Lena, Liebe meines Lebens“).

Haben Sie für sich und Ihre Familie ein Lebensmotto?

„Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fang es an.“ (Goethe)
Meine Kinder sollen viel ausprobieren, erleben, erfahren, sich immer wieder auf neue Wege begeben. Ich hoffe, dass wir sie darin immer unterstützen und bestärken können.

Vielen Dank für dieses Interview!
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und bleiben Sie gesund!

Vielen Dank. Ihnen auch alles Gute und Gesundheit für sich und Ihre Liebsten.

Martina Lange
Chefredakteurin Magazin Momo – Mobilität & Motion

Fotos: © Chris Gonz

Inklusion ist alles – mit dem Wombat Solo von R82

Wir durften den Vormittag mit Thessa, ihrer Schwester Thea und der besten Freundin Dicte verbringen und dabei zusehen, wie die drei wunderbare Cupcakes backen und ganz nebenbei die gesamte Küche bunt verzieren.

Die siebenjährige Tessa hat eine spastische unilaterale Zerebralparese. Sie läuft die meiste Zeit selbstständig ohne Hilfsmittel, nur für weite Wege außerhalb des Hauses hat sie einen Rollstuhl. In der Schule sitzt Thessa auf einem angepassten Arbeitsstuhl, denn mit diesem kann sie sich besser auf das Lernen und die Interaktion mit den Klassenkameraden konzentrieren statt auf ihre Körperhaltung.

Thessa ist ein quirliges Kind und immer voll dabei, ob in der Klasse, beim Sportunterricht oder beim Schulausflug in den Vergnügungspark. Allerdings ermüdet Sie bei vielen Aktivitäten aufgrund der spastischen Hemiplegie schneller als ihre Mitschüler. Am wichtigsten ist ihr, dass sie in diesen Momenten so unabhängig und eigenständig wie möglich bleibt, was ihr die vorhandenen Hilfsmittel auch ermöglichen.

Während Tessa den neuen Wombat Solo benutzt und für uns getestet hat, hatte sie stets die volle Kontrolle: Sie konnte alleine ein- und aussteigen und mit den Griffen unter dem Sitz die Höhe, Neigung und die Drehfunktion des Stuhls selbst verstellen. Darüber hinaus hat sie der Stuhl genau in die richtige Position gebracht und ihr die Unterstützung gegeben, um alle Aufgabe in der Küche entspannt zu meistern.

Tessa war so begeistert vom Wombat Solo, dass sie uns im Anschluss fragte, ob sie ihn behalten darf, weil er so bequem ist und alles mitmacht, was sie will.

Der Wombat Solo ist ein cooler, unkomplizierter Aktivitätsstuhl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis 70 kg. Er ist robust und mitwachsend, mit seinen drei Größen begleitet er den Nutzer ein ganzes Leben lang. Der neue, frische Look in modernen Farben passt zu allen Möbeln – so integriert er sich perfekt, ob zu Hause oder in der Schule.

Für alle, die ein bisschen mehr Unterstützung benötigen, gibt es eine große Auswahl an Zubehör und den großen Bruder „Wombat living“, den man zum Beispiel auch elektrisch bedienen kann.

Text und Fotos: R82

Gipsfrei zur Orthese!

Gipsfrei zur Orthese!

Um eine Orthese herstellen zu können, musste bisher die betroffene Körperstelle des Patienten in korrigierter Form gegipst werden. Das Ergebnis diente anschließend als Modell für die Anfertigung des Korsetts, der Arm- oder Beinorthese. Um unseren Patienten das unangenehme Gipsen zu ersparen, haben wir ein ganz besonderes Verfahren für sie entwickelt: SimBrace®.

Im Prinzip funktioniert SimBrace® wie ein Gipsabdruck. Anstelle der Hände des Orthopädietechnikers hält nun eine spezielle Vorrichtung den Köper in korrigierter Stellung. Mit einem 3D-Scanner erfasst der Orthopädietechniker die festgelegte Korrektur des Rumpfes oder der Gliedmaße. Der große Vorteil dieses Verfahrens: Der Patient kann gemeinsam mit einem Physiotherapeuten die optimale Korrekturstellung austesten, bis alle mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Neugierig geworden? Mehr Infos zum SimBrace®-Verfahren findest du unter www.pohlig.net/simbrace

Fotos und Text: Pohlig

Digitaler Schulunterricht – Wer lehrt hier eigentlich wen?

Digitaler Schulunterricht – Wer lehrt hier eigentlich wen?

Mara befindet sich derzeit im Homeschooling: Sie muss sich ihren Unterrichtsstoff zuhause selbst erarbeiten. Ihre Mutter ist überfordert: Wie schicke ich die handgeschriebenen Hausaufgaben in digitaler Form an die Lehrerin? Habe ich das Lehrkonzept überhaupt richtig verstanden? Wo kann ich Hilfe bekommen, um die benötigte Software zu installieren und zu bedienen? Und wie kann ich mein Kind trotz eigener Verpflichtungen pädagogisch unterstützen und motivieren? Der digitale Ausbau der Schulen in Deutschland hinkt den Nachbarländern noch deutlich hinterher, was gerade in Zeiten von Corona deutlich wurde.

Besonders schwierig wird es, wenn ein Elternteil aufgrund der Kinderbetreuung selbst im Homeoffice am Computer arbeiten muss und dem Haushalt keine weiteren technischen Geräte zur Verfügung stehen. Nicht jeder Grundschüler besitzt bereits einen eigenen und hinreichend ausgestatteten Computer samt Arbeitsplatz, an dem man sich in Ruhe dem Unterrichtsstoff widmen kann. Oft befinden sich im Haushalt zusätzlich noch Geschwisterkinder, die ebenfalls dem digitalen Schulunterricht nachgehen müssen, weswegen plötzlich zwei, drei oder mehr Computer benötigt werden.

Finanzielle Unterstützung für sozial schwache Familien ist bisher kaum vorgesehen. Das Landessozialgericht Essen (Az. L 7 AS 719/20 B ER, L 7 AS 720/20) hat allerdings mittlerweile entschieden, dass die Anschaffung eines internetfähigen Endgerätes im Rahmen von Sozialleistungen gefördert werden kann. Häufig wird jedoch nicht nur ein Computer benötigt, sondern auch spezielle Software, ein Drucker samt Tintenpatronen und Papier – und vor allem ausreichend Zeit und Motivation auch seitens der Eltern.

In einer repräsentativen Befragung gaben 75 % der Eltern Probleme beim Homeschooling an. 37 % der Befragten äußerten, sich von der Schule im Stich gelassen gefühlt zu haben. Technische Probleme hatten 31 % der befragten Eltern.

Besondere Problemkonstellationen ergeben sich bei sozial schwachen Familien, Mehrkindfamilien, Familien mit Migrationshintergrund, Alleinerziehenden und bildungsfernen Familien. Häufig kommen mehrere dieser Faktoren zusammen und erschweren die Situation für die betreffenden Familien zusätzlich. Auch beengte Wohnraumsituationen oder die coronabedingte Schließung von Spielplätzen und Einschränkung weiterer Freizeitaktivitäten führen zu Besonderheiten, die sich auf das konzentrierte Arbeiten beim Homeschooling auswirken können. Nicht jede Familie verfügt über einen eigenen Garten, in dem die Kinder während der Pausen frische Luft tanken und sich frei bewegen können. Eine wesentliche Gefahr beim digitalen Schulunterricht ist somit die soziale Spaltung: Kinder aus Familien mit erschwerten Bedingungen werden schnell benachteiligt, weil sie den vorgegebenen Stoff nicht eigenständig erarbeiten können. Die Bildungsgerechtigkeit kann daher bisher nicht angemessen gewährleistet werden.

Insbesondere ältere Schüler müssen beim digitalen Unterricht ihren Alltag oft selbst organisieren. Kein vorgeschriebener Stundenplan sagt ihnen, wann sie zu rechnen oder zu lesen haben, sondern die Zeit kann frei eingeteilt werden. Dies kann schnell zur Überforderung führen. Persönliche Unterstützung durch Lehrer wird häufig den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht. Rund 37 % der Lehrer gaben an, dass sie während der coronabedingten Schulschließung im Frühjahr 2020 mit weniger als der Hälfte der Schüler regelmäßigen Kontakt hatten. Dies mag viele Ursachen haben: Wenn der Lehrer per Doodle einen Zoom-Call oder eine Skype-Konferenz mit dem Schüler vereinbaren möchte, fühlen sich viele Eltern angesichts der technischen Herausforderungen überfordert. Häufig wird hier auch ein Mikrofon oder eine Kamera am technischen Endgerät vorausgesetzt.

Der digitale Schulunterricht bietet viele Chancen, jedoch mangelt es sowohl Eltern als auch Lehrern noch an Erfahrung in diesem Bereich. Auch die Politik muss noch Möglichkeiten schaffen, um soziale Nachteile auszugleichen und Lehrkräfte und Eltern zu schulen.

Die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung im digitalen Unterricht und dem Nachgehen eigener beruflicher Tätigkeiten muss durch Rahmenbedingungen im Arbeitsrecht ebenfalls optimiert werden. Eltern kann die Doppelbelastung aus Berufstätigkeit und Lehrtätigkeit im digitalen Schulunterricht daheim nicht als dauerhafte Lösung zugemutet werden, ohne ihnen entsprechende Nachteilsausgleiche anzubieten. Leihgeräte könnten beispielsweise zu einer verbesserten Chancengleichheit beitragen ebenso wie spezielle finanzielle Förderungen für sozial schwächer gestellte Familien.

Die Schule ist zudem nicht nur ein Ort, an dem Unterrichtsstoff gelehrt und gelernt wird. Auch soziales Miteinander und der Umgang mit Regeln werden dort geübt. Freundschaften werden geknüpft und Konflikte ausgetragen. In den Pausen wird gemeinsam getobt und wer einmal das Pausenbrot vergessen hat, bekommt häufig eine Apfelspalte von seinem Sitznachbarn rechts und ein halbes Käsebrot vom Sitznachbarn auf der anderen Seite angeboten – all dies kann der digitale Unterricht gar nicht ersetzen.

Quellen: ndr.de, statista.com, daserste.ndr.de, rp-online.de Fotos: Fam Veld_shutterstock.com, Fabio Principe_shutterstock.com

Hier kommt Tobias!

Tobias ist ein 10-jähriger Junge. Er hat eine bilaterale spastische Zerebralparese mit GMFCS-Level IV. Vor allem die rechte Seite seines Körpers ist betroffen. Wegen seiner Hypotonie ist Tobias‘ Muskulatur nicht sehr kräftig.

Tobias kann allein sitzen und mit Unterstützung stehen. Sein größtes Problem ist, dass er seine Hüft- und Kniegelenke nicht aktiv strecken kann. Weil er noch wächst und weiter an Gewicht zunimmt, ist das besonders problematisch.

Ziele

Die Familie hat für die Physiotherapie folgende Ziele festgelegt:

Tobias‘ Funktionen und Fähigkeiten sollen erhalten werden. Besonders wichtig ist es, Kontrakturen vorzubeugen, damit Tobias beweglich bleibt und keine Druckstellen bekommt.
Außerdem soll er so aktiv wie möglich sein und an möglichst vielen Aktivitäten im Alltag teilnehmen – vorzugsweise in stehender und gehender Haltung.

Ergebnisse und Vorteile

Tobias hat den Xplore über einen Zeitraum von drei Wochen fast jeden Tag für etwa 30 Minuten genutzt. Seine Eltern haben folgende Vorteile festgestellt:

Für Tobias‘ Eltern oder Assistenten ist der Gehtrainer leicht zu handhaben. Je leichter die Bedienung, desto intensiver wird ein Gerät genutzt, sodass Tobias mit dem Xplore jetzt
aktiver ist als vorher.

Tobias macht es viel Freude, sich mit dem Xplore umherzubewegen. Er kann damit längere Strecken zu Fuß zurücklegen, denn das Gehen mit dem Xplore fällt ihm leicht.

“Mit dem Xplore kann Tobias leichter und schneller gehen, sodass er besser an unserem Alltag teilnehmen kann.”
– TOBIAS’ MUTTER –

 

 

Text und Fotos: Made for Movement

Unser Urlaubstipp für die Region Leipzig

Unser Urlaubstipp für die Region Leipzig

In Sachsen lassen sich Kunst- und Kulturgenuss mit aktiver Erholung sowie mit Vital- und Familienurlaub ideal verknüpfen – ob Klettern, Wandern, Motorrad, Rad und Mountainbike fahren oder Wassersport betreiben.

So ist es zum Beispiel gut zu wissen, dass man durch Leipzig mit dem Kanu fahren kann. Vom Stadthafen geht es direkt bis zum Cospudener See im Leipziger Neuseenland. Ein Riesenspaß! Auf acht verschiedenen Wasserkursen werden rund 200 Kilometer Gewässerstrecke erschlossen. Das Angebot reicht vom Paddeln auf der Weißen Elster über Sightseeing auf Stadtgewässern bis hin zu Bootstouren zu den Stränden mit barrierefreien Wassereinstiegen am Nordufer des Cospudener Sees mit dem längsten Sandstrand und am Westufer des Kulkwitzer Sees als auch Freizeiteinrichtungen des Leipziger Neuseenlands. Auch Fahrgastschiffe sind unterwegs. Schleusen schaffen die einzigartige Verbindung zwischen Großstadt und Region. Ein herrlicher Ausblick bietet sich vom Turm Bistumshöhe über das Waldgebiet Neue Harth und den Freizeitpark BELANTIS.

Wieder zurück in der City ist der Leipziger Zoo das High- light für Familien an 365 Tagen im Jahr. Wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt taucht man ein in den Großstadtdschungel, der dank seiner 850 Tierarten, den naturnahen Gehegen, zahlreichen Spielplätzen und spannenden Entdeckertouren jeden Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Auch hier kommen Abenteurer voll auf ihre Kosten. Übrigens: Eine Bootsfahrt durch die Tropenerlebniswelt Gondwanaland mit ihrem unverwechselbaren Regenwaldflair ist gemütlich und sehr aufschlussreich.

Auf Entdeckungstour:

• Zoo Leipzig
• BELANTIS
• GRASSI Museum für Angewandte Kunst
• Theater der Jungen Welt Leipzig
• Burg Mildenstein
• Schloss Rochsburg

Der Übernachtungstipp:

• Seepark Auenhain

 

Text: TMGS, Fotos: S. Dittrich, ©_Zoo Leipzig

Interview mit Sabine Bohlmann

Liebe Frau Bohlmann,
Sie haben sicherlich einen sehr ausgefüllten und ereignisreichen Terminkalender. Haben Sie daher umso größeren Dank, dass Sie sich für unsere „besonderen Kinder“, wie wir Kinder mit Handicap nennen, Zeit nehmen.

Für Kinder nehme ich mir immer gern Zeit.

Neben Ihrer Arbeit als Schauspielerin und Synchronsprecherin haben Sie ebenfalls zahlreiche Bücher veröffentlicht.
In Ihrem jüngst erschienenen Kinderbuch „Ein Mädchen namens Willow“ geht es u. a. um das Thema Naturliebe und damit um ein tiefes Verständnis und Wissen über die Natur sowie das Leben im Einklang mit allen Lebewesen – ein sehr aktuelles Thema, wie ich finde.
Gab es denn ein persönliches Ereignis, das Sie zu diesem Buchthema bewogen hat?

Ich habe schon lange das Gefühl, den Kindern und auch uns Großen fehlt die Erdung in der Natur, vor allem eben den Stadtmenschen. Ich frage mich immer wieder, warum so viele junge Menschen unter Depressionen und anderen psychischen Krankheiten leiden. War das schon immer so? Vielleicht bräuchten wir schon in der Schule ein Naturfach – einmal pro Woche in den Wald fahren mit der Klasse. Vielleicht würde man da sogar mehr lernen als an einem Schultag im Klassenzimmer. Ich würde mir wünschen, dass mit Willow viele Kinder den Wunsch haben, mal wieder in den Wald zu gehen.

Bei meiner Recherche habe ich über Sie gelesen, dass Ihnen „Geschichten zufliegen wie Schmetterlinge“.
Verfügen Sie über eine besondere Vorstellungskraft oder woher kommt die Fantasie für solche einfühlsamen Geschichten?

Ich weiß es auch nicht genau. Vermutlich ist es ein Talent – wie manche Leute unglaublich singen können und andere begabte Sportler sind. Ich brauche manchmal nur eine kleine Situation oder einen Satz und schon liegt eine Geschichte für ein ganzes Buch vor mir.

Das Magazin Momo ist für Eltern und Kinder, die besonders sind. Es soll nicht nur Mut machen, sondern auch eine Plattform bieten, auf der Eltern und Betroffene die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Betroffene Eltern für Eltern!

Haben Sie eine Lebensphilosophie für unsere kleinen und großen Leser?

Meine Lebensphilosophie hab ich von Carl Valentin: „Freu dich, wenn es regnet, denn wenn du dich nicht freust, regnet es auch!“ Ich versuche, mich nicht über Kleinigkeiten zu ärgern. Denn es bringt ja nichts, wenn ich im Auto im Stau stehe und mich über den Stau ärgere.

Natürlich ist die Sorge um die Kinder das Schwierigste, was den Eltern mitgegeben wird. Und die Sorge hat keinen Ausknopf, auf den man drücken kann, und dann ist sie weg. Aber ich denke, was wir tun können, ist, unseren Kindern zu vertrauen und ihnen unsere Zeit zu schenken. Das ist das größte Geschenk, was wir ihnen machen können.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview!

Martina Lange

Chefredakteurin Magazin Momo – Mobilität & Motion

Foto: Copyright: Christian Hartmann
Buchcover: Planet!Verlag

Wenn Essen zum Problem wird

Wenn Essen zum Problem wird

Es gibt Spaghetti mit einer leckeren Soße zum Abendessen, die Maja schon immer gerne gegessen hat. Seit einiger Zeit lässt sie jedoch die Soße weg und auch der Nudelteller wird kritisch beäugt, ehe sie das Gericht auf den Teller hin und her schiebt. „Ist das noch normal?“, fragen sich die Eltern der Zwölfjährigen.

Die Grenze zwischen einem normalen und einem gestörten Essverhalten ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Eine Essstörung entsteht häufig so schleichend, dass sie unbemerkt Einzug in das Leben der Betroffenen und ihrer Familien findet. Kinder und Jugendliche können ein schwankendes Essverhalten an den Tag legen, was erstmal keinen Grund zur Besorgnis darstellt. Wann jedoch sollte man genauer hinschauen? Um eine Essstörung verstehen zu können, ist es das Wichtigste, darüber Bescheid zu wissen, welche Essstörungen es gibt und wie diese aussehen.

Definition:

Eine Essstörung ist eine Störung des Essverhaltens, bei der die permanente gedankliche und emotionale Beschäftigung mit Themen rund ums Essen eine zentrale Rolle spielt. Essstörungen können die Nahrungsaufnahme und/oder deren Verweigerung betreffen. Zu den Essstörungen zählen vorwiegend Magersucht und Bulimie.

Magersucht:

Magersucht ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen rapide an Gewicht verlieren. Typisch ist ein verzerrtes Körperbild: Der Jugendliche nimmt sich als zu dick war, obwohl er bereits untergewichtig ist. Die Ursachen für das Auftreten einer solchen Störung sind sehr individuell: beispielsweise Störungen in der Stressverarbeitung, genetische Faktoren, hoher Leistungsdruck oder das westliche Schönheitsideal. Die Folge dieser Erkrankung können schwere, teils chronische organische oder hormonelle Schäden sein.

Bulimie:

Bei Bulimie (Ess-Brech-Sucht) handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen wiederkehrende Heißhungerattacken haben, in denen sie die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren und meist große Mengen an Nahrung zu sich nehmen. Infolge dieser Essanfälle entwickeln sie panische Angst vor dem Zunehmen und erbrechen schließlich. Mögliche Folgen einer Bulimieerkrankung können u. a. Mangelernährung oder Herzrhythmusstörungen sein, zudem auch Gastritis, Zahn- oder Nierenschäden oder Entzündungen im Bereich der Speiseröhre.

Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland im Alter von 11 bis 17 Jahren zeigt Symptome einer Essstörung. Mädchen sind hierbei häufiger betroffen als Jungen. Jedoch nicht jedes Kind mit auffälligem Essverhalten entwickelt eine Störung.

Mögliche Hinweise können auf eine Erkrankung hindeuten:

• plötzlicher Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
• Lebensmittel werden in „gut“ oder „schlecht“ unterteilt
• häufiger Toilettengang nach der Nahrungsaufnahme
• Erkrankte sprechen permanent vom Essen
• ständige Gewichtskontrolle
• Probleme mit dem Sättigungs-/Hungergefühl
• Übermaß an Sport
• häufige Kritik am eigenen Aussehen und Gewicht
• Verschlechterung der schulischen Leistungen

 

Quellen: bzga-essstoerungen.de, de.statista.com, selfapy.de, netdoktor.de, uni-wuerzburg.de
Fotos: pixabay.com, Ekaterina Vidyasova_shutterstock.com

So vielfältig wie das Leben – Diversität in Kinderbüchern

So vielfältig wie das Leben – Diversität in Kinderbüchern

Ein Beitrag von Verena Niethammer

Mutter, Vater, Kind – das ist seit Generationen eines der Lieblingsspiele im Kindergarten. Dieses angeblich klassische Familienmodell zeigen auch viele Kinderbücher. Sieht man sich hingegen die gesellschaftliche Realität an, ist das Modell nur eines von vielen: Es gibt jede Menge Alleinerziehende, Patchwork- und Pflegefamilien sowie Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternpaaren. Inzwischen gibt es immer mehr Bücher, die diese Vielfalt abbilden. Manche machen diese direkt zum Thema, wie bei „Zwei Mütter für Oscar“ von Susanne Scheerer und Annabelle von Sperber, bei der zwei Frauen ihr Wunschkind über eine Samenspende bekommen.

Kinderliteratur, die das Anderssein bewusst ins Zentrum rückt, ist jedoch umstritten, denn die Betonung der Andersartigkeit kann die Spaltung und Separierung möglicherweise noch mehr zementieren. Gleichzeitig bieten sich diese Bücher an, um mit Kindern über Mobbing und Ausgrenzungserfahrungen zu sprechen. Beispiele hierfür sind die Bilderbücher „Irgendwie anders“ von Alexandra Sigmund, der Kinderbuchklassiker „Elmar“ von David McKee und „Pink Pinguin“ von Lynne Rickards. Gerade bei Themen, die Menschen zeigen, die von der vermeintlichen Norm abweichen – wie Menschen mit Behinderungen oder People of Color –, ist es sinnvoll, diese einfach beiläufig als Akteure darzustellen. Dadurch erfahren die Kinder, dass es viele Arten von Menschen gibt und dass sie alle dazugehören, ohne dass sie als etwas Besonderes herausgestellt werden.

Jedes Jahr werden Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, die sich verschiedenen Bereichen von Diversität widmen, mit dem KIMI-Siegel für Vielfalt prämiert. Die Jury achtet bei den Neuerscheinungen neben den bereits erwähnten Kriterien auch auf weitere Aspekte: dass beispielsweise Personen, die krank sind oder in Armut leben, sowie verschiedene Sprach-, Kultur- und Glaubensgemeinschaften vertreten sind, um nur einige der möglichen Punkte zu nennen (mehr zum KIMI-Siegel: www.kimi-siegel.de).

Eine der KIMI-Preisträgerinnen des Jahres 2019 ist Constanze von Kitzing und ihr Wendebilderbuch „Ich bin anders wie du. Ich bin wie du“.

Hier finden sich Kinder verschiedener Hautfarben, Körpertypen, unterschiedliche Familienarten und Kinder mit Behinderungen selbstverständlich zusammen in Alltagssituationen beim Spielen, im Kindergarten, beim Sporttreiben oder Musikmachen. Das ebnet beim Lesen die Wege zu einem aufgeschlossenen, respektvollen Miteinander, weil jede der Figuren darin sowohl verschiedene Interessen als auch Eigenschaften mit anderen gemeinsam hat.

In divers ausgerichteten Kinderbüchern werden zudem schwierige oder tabuisierte Themen, wie Transsexualität oder Abweichungen von Geschlechterstereotypen, aufgegriffen und kindgerecht dargestellt, ohne negativ zu stigmatisieren. So möchte der Teddy Thomas lieber ein Bärenmädchen sein („Teddy und Tilly“ von Jessica Walton) und Julian träumt davon, eine glitzernde Meerjungfrau („Julian ist eine Meerjungfrau“ von Jessica Love) zu sein. Auch mehrsprachige Kinder- und Jugendliteratur ist in diesem Feld zu verorten. Dabei hervorzuheben ist die Reihe „Die inklusive Bande“ von der Aktion Mensch. Die Abenteuer der Freunde sind in jedem Band auch in einfacher Sprache sowie in der Blindenschrift Braille abgedruckt. Auf diese Weise können Barrieren beim Lesen gleich in mehrere Richtungen sichtbar gemacht und auch etwas abgebaut werden. Zu dieser Serie gibt es außerdem einige Begleitmaterialien online: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/impulse/inklusion-material/bunte-bande.html

Wie häufig Diskriminierung und Rassismus auch heute noch im Alltag auftreten, ist vielen Menschen nicht bewusst. Oda Stockmann, die Betreiberin der Plattform „Diversity is us“, änderte ihre Sichtweise erst, als ein schwarzes Adoptivkind in ihre Familie kam. Sie war geschockt davon, wie Menschen ihrem kleinen Sohn begegneten. Heute gibt sie antirassistische Seminare und hat sich das Ziel gesetzt, unbewusste Vorurteile, die sogenannten „unconscious biases“, aufzuzeigen und einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu unterstützen. Tipp: Im Shop auf www.diversity-is-us.de bietet sie neben diversen Kinderbüchern u. a. auch vielfältiges Spielzeug an.

Da Kindermedien wie Bücher die Gesellschaft wiedergeben, aber auch auf die Wirklichkeit zurückwirken, ist erfreulich, dass diese Sensibilität in vielen Verlagen für diverse Kinderbücher wächst. So geht auch Conni aus der deutschen „Musterfamilie“ in einer neuen Auflage des Klassikers in eine inklusive Kindergartengruppe.

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