Peggys Reha Erfolg nach Motorcross-Unfall

Zurück in Bewegung: Peggys Reha Erfolg nach schwerem Motorcross-Unfall

Peggy liebt Bewegung, Motorräder und Freiheit. Als sie im Urlaub verunglückt, erleidet sie eine inkomplette Querschnittlähmung. Ein Leben ohne Sport kommt nicht in Frage. Unterstützt von ihrem Umfeld und der C-Brace Interim, kämpft sie sich Schritt für Schritt zurück auf Augenhöhe.

Peggy Blanke (38) braucht Bewegung in ihrem Leben: Sport, Tempo, Wettkampf, Gemeinschaft. Besonders liebt die Magdeburgerin das lange Fahren im Gelände mit dem Motorrad, Enduro genannt. Es geht vor allem um Ausdauer. Genau die braucht Peggy eines Tages auf ganz andere Art und Weise.

2022 fährt sie mit ihrem Lebensgefährten Tino und Freunden nach Tschechien. Ein Sturz verändert ihr Leben innerhalb von Sekunden. Das Motorrad fällt auf ihre Wirbelsäule, sie erleidet eine inkomplette Querschnittlähmung. Damit ist die Magdeburgerin eine von ca. 140.000 Betroffenen in Deutschland ¹. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr selbstverständlich. In der Rehaklinik hört sie früh einen Satz, der ihr zunächst jede Hoffnung nimmt: „Der Rollstuhl sei meine Endstation.“

Gleichzeitig begegnet sie einem schwerer betroffenen Patienten, der Lebensfreude ausstrahlt. Dieser Moment wird zum Wendepunkt: „Ich will mit anderen auf Augenhöhe stehen. Ich will wieder laufen“, setzt sie sich zum Ziel.

Im Rollstuhl – trotzdem in Bewegung

Ausgerechnet der Sport, der ihr Freiheit, Kraft und Identität gegeben hat, scheint zunächst unerreichbar. Doch Peggy bleibt aktiv. Zwei Jahre sitzt sie im Rollstuhl, entdeckt Rollstuhltennis für sich und wird 2025 sogar deutsche Meisterin im Doppel. Der Sport gibt ihr Struktur, Selbstvertrauen und einen Zugang zu sich selbst zurück. Auch dem Motorsport bleibt Peggy verbunden und begleitet ihre Freunde als Zuschauerin zu Rennen.

Wer bleibt, wenn alles wegbricht

Der Unfall verändert auch ihr soziales Umfeld. Umso wichtiger werden die Menschen, die bleiben: ihr Partner, enge Freunde und auch ihr Arbeitgeber, der sie weiterhin im Bereich Medizintechnik und Praxissoftware beschäftigt. Das zeigt: Zugehörigkeit kann nicht nur privat, sondern auch beruflich tragen.

Peggy im Rollstuhl mit Begleitung im Alltag
Peggy beim Steh- und Gehtraining in der Rehabilitation

Interim-Orthese: Aus Training wird Teilhabe

Anfang 2025 erfährt Peggy auf einer Fachmesse von einer neuartigen Versorgungslösung für Menschen mit einer Beinlähmung. Im Sommer testet sie die C-Brace Interim Beinorthesen als erste Person konstant über sechs Monate hinweg im Alltag.

Der entscheidende Vorteil: Die Versorgung eröffnet ihr deutlich mehr Zeit zum Üben im echten Leben. Statt hauptsächlich in Therapiesituationen an Bewegungen zu arbeiten, kann sie mit den Interim-Orthesen zuhause oder unterwegs trainieren. Sie übt häufiger, baut Belastung auf und gewinnt Schritt für Schritt mehr Sicherheit.

 

Genau darin liegt die besondere Wirkung: Die Interim-Orthese verlängert die Trainingszeit aktiv in den Alltag hinein. Die Versorgung wird vor allem in der frühen Rehabilitationsphase eingesetzt und lässt sich flexibel an den Therapieverlauf anpassen. Durch ihr modulares Design, bestehend aus dem innovativen C-Brace Orthesenkniegelenk, Oberschenkelschalen und einer Unterschenkelorthese, kann sie mit der Entwicklung der Anwendenden mitwachsen.

Für Peggy heißt das konkret: Sie ist nicht nur auf den Rollstuhl angewiesen. Die temporäre Versorgung unterstützt sie dabei, mehr Vertrauen in die eigene Bewegung zu entwickeln.

Alexander Hardt, Marktmanager NeuroMobility bei Ottobock, erläutert die Idee hinter der Innovation: „C-Brace Interim ist ein völlig neues Versorgungskonzept, bei dem Fachärzte, Therapeuten und Orthopädietechniker eng mit der Patientin zusammenarbeiten. Dadurch schaffen wir es, das Bestmögliche aus der Rehabilitationszeit herauszuholen: Patienten können frühzeitig vertikalisiert und mobilisiert werden, wodurch die Trainingszeiten effektiv verlängert werden.“

Der Blick nach vorn

Aktuell wartet Peggy auf die Bewilligung ihrer Definitivversorgung mit dem C-Brace. Die computergesteuerten Beinorthesen sollen ihr dauerhaft mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen, etwa auf unebenem Untergrund, an Steigungen und beim Treppensteigen.

Für Peggy geht es darum, das, was sie sich in den vergangenen Monaten erarbeitet hat, fest in ihren Alltag zu übertragen. Ihr Ziel: Sie will nicht auf ihre Lähmung reduziert werden, sondern arbeiten, Sport treiben und ihr Leben aktiv gestalten. Die richtige Versorgung kann dabei den entscheidenden Unterschied machen.

Peggy mit Orthesen und Rollator auf einer Motocross-Strecke
Motocross-Strecke durch ein mit Händen geformtes Herz

Ein Schritt zurück ins Leben

Ein prägender Moment: Bei einer Firmenstaffel bewältigt Peggy die letzten 200 Meter mit dem Rollator. Dieser Erfolg steht für den Mut, sich etwas zurückzuholen, das ihr schon abgesprochen worden war. Vor allem aber steht er für eine Erfahrung, die Peggy heute weitergeben will: Man muss nach einem tiefen Einschnitt nicht alles allein schaffen. Mit Menschen, die stärken statt zu bremsen, kann man sich ein Leben aufbauen, in dem auch nach einem Einschnitt wieder mehr möglich wird – Schritt für Schritt, auf Augenhöhe.

¹ Ursachen für eine Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de

Quelle und Fotos: Ottobock GmbH