„Anders schön“ – Wie Ilka Brühl lernte, sich selbst zu lieben

„Für alle, die schon an mich geglaubt haben, als ich es selbst noch nicht konnte.“ Diese Widmung findet man ganz vorne im Buch von Ilka Brühl. Die 29-jährige Braunschweigerin kam mit einer Nasen-Lippenspalte und einer Fehlbildung von Stirn und Augen zur Welt. Aus Angst vor Ablehnung zog sie sich häufig zurück. Schließlich begann sie, sich mit den Themen Selbstliebe und Inklusion auseinanderzusetzen. „Anders schön“ heißt ihr autobiographisches Buch, in dem die gelernte Maschinenbauerin Einblicke in ihr Leben gewährt. Mittlerweile ist sie selbstständig, schreibt Bücher und teilt auf ihrem Podcast ihre Erfahrungen. Mit ihren Vorträgen möchte sie Menschen helfen, sich selbst zu akzeptieren.

Ilka Brühl
Liebe Ilka, wer sollte dein Buch unbedingt lesen?

Das Buch ist für jeden geschrieben, der daraus einen Nutzen ziehen kann: Angehörige, Interessierte und Betroffene. Insbesondere Eltern, deren Kind mit einer Nasen-Lippenspalte zur Welt gekommen ist, können hierdurch Zweifel genommen werden. Ich möchte mit herkömmlichen Schönheitsidealen und Schubladendenken brechen.

Blöde Sprüche von anderen: Wie können Kinder und Jugendliche damit umgehen?

Mich hat es als Kind sehr getroffen, wenn jemand einen Spruch über mein Aussehen gemacht hat. Heute weiß ich, dass diese Sprüche gar nicht unbedingt auf mich bezogen waren. Häufig waren es einfach vorlaute Kinder, die meinten, zu allem ihre Meinung abgeben zu müssen. Als Kind war es jedoch schwierig. Verletzende Kommentare verletzen halt. Meine Tipps: Vertraut euch jemandem an. Allein das hilft schon so viel. Auch professionelle Unterstützung kann sehr wertvoll sein.

Ilka Brühl
Was würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?

(lacht) Ich würde ihm sagen, dass es sich ein paar Extrarunden sparen kann, wenn es nicht alles glaubt, was es hört. Was mich von anderen unterscheidet, ist lediglich eine Asymmetrie im Gesicht. Aber welcher Mensch ist denn schon wie jeder andere und warum sollte dies überhaupt so sein? Heute achte ich viel mehr auf Gemeinsamkeiten statt auf Unterschiede.

Hast du ein Lebensmotto?

Da schwanke ich immer (lacht wieder). Mir gefällt „Leben und leben lassen“ gut. Warum reden Menschen so viel über andere Menschen? Jeder muss doch einfach für sich schauen, wie er leben und glücklich werden will.

Hast du auch Phasen, in denen es dir nicht gut geht? Was hilft dir dann?

Natürlich. Insbesondere im Winter fehlt mir das Sonnenlicht. Generell bin ich sehr feinfühlig und lasse viel Weltschmerz an mich heran. Mir Zeit für mich nehmen, das hilft mir. Es ist eine Illusion, dass wir immer nur glücklich sein müssen. Deswegen versuche ich, schwierige Gefühle zu akzeptieren und die guten Gefühle willkommen zu heißen.

Weitere Infos unter:
www.ilka-bruehl.de
Instagram: ilkabruehl

Ilka Brühl im Gespräch mit unserer Redakteurin Mandy Falke

Fotos: Mandy Falke, Privat