Cyber-Mobbing. Kinder stark machen gegen Angriffe in der virtuellen Welt

Gemeine Beleidigungen, peinliche Fotos und fiese Lästereien in Chats. Cyber-Mobbing hat viele Gesichter. Es ist eine Form des Mobbings, die sich nicht face to face, sondern im virtuellen Raum abspielt.

Während Hänseleien zwischen Schülern sich meist tagsüber ereignen, kann Cyber-Mobbing via Internet und Smartphone rund um die Uhr geschehen. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen nutzen regelmäßig Messenger-Dienste wie WhatsApp und Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Snapchat, die auch potentielle Schauplätze für Cyber-Mobbing darstellen. Viele Internetangebote, z. B. die bei Jugendlichen beliebte Videoplattform YouTube, können heute mitgestaltet werden, was viele Möglichkeiten des kreativen Selbstausdrucks bietet. Doch über Funktionen wie den Dislike-Button oder Kommentarfelder kann man leicht bloßgestellt und angefeindet werden. Online erreichen die Mobbingangriffe schnell eine große Öffentlichkeit. Gleichzeitig bekommen Eltern oder Lehrkräfte oft nicht mit, was in der digitalen Welt vor sich geht.

Momo sprach mit der Medienpädagogin Prof. Dr. Katrin Schlör von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg.

Momo: Worauf ist zu achten, damit man nicht zum Opfer von Cyber-Mobbing wird?

Tendenziell kann es jeden treffen. Ich denke, dass generell die Sensibilisierung für eine wertschätzende und konstruktive Kommunikationskultur im Netz grundlegend ist. Das betrifft auch Erwachsene, die nicht selten als schlechte Vorbilder agieren. Eine gewisse Sparsamkeit mit Daten im Netz und ein reflektierter Umgang mit sowohl privaten Informationen als auch Bildern kann die Angriffsfläche verringern. Ein Schutz vor Cyber-Mobbing ist aber illusorisch. Die beste Prävention ist immer noch eine gelungene Medienbildung, die Kinder schon von früh an für die Chancen und Herausforderungen einer digitalen Welt fit macht.

Momo: Verlagert sich das Mobbing unter Kindern in Schule und Freizeit zunehmend in den virtuellen Bereich?

Tatsächlich ist – so die Ergebnisse der neusten JIM-Studie* – sowohl der Anteil der Jugendlichen rückläufig, die im Bekanntenkreis mitbekommen haben, dass andere im Netz gemobbt wurden, als auch derer, die selbst Opfer wurden. Was über die Jahre konstant blieb, ist die Tatsache, dass Cyber-Mobbing häufiger Jugendliche mit formal niedrigerer Bildung trifft. Meist ist es eine Verlagerung von Mobbing in die virtuelle Welt. Häufig kennen sich die mobbenden Jugendlichen und das Opfer. Daher ist es ein Trugschluss zu glauben, dass Cyber-Mobbing ein neues Phänomen darstellt. Es ist vielmehr ein Upgrade zu Mobbing, wenn auch ein sehr gefährliches.

Momo: Welches Vorgehen ist empfehlenswert, wenn es bereits Cyber-Mobbing-Vorfälle gibt?

Wenn bereits gemobbt wird oder – was viel häufiger der Fall ist – Konflikte im Netz entstanden sind, ist es wichtig, sich Verbündete zu suchen. Das können die Eltern sein, aber auch Geschwister, Freunde, Lehrkräfte, die Schulsozialarbeit etc. Ebenso wichtig ist es, sich emotional von den Attacken zu distanzieren, eventuell zunächst keine Nachrichten mehr abzurufen oder dies im Beisein anderer zu tun, die einen auffangen und ermutigen können. Technische Schutzmaßnahmen wie Blockieren, Melden oder Inhalte bei den Anbietern löschen zu lassen sind ebenfalls empfehlenswert. Zuvor sollten jedoch Beweise gesichert werden. Dies kann beispielsweise über die Screenshot-Funktion erfolgen. In schlimmen Fällen sollte niemand den Weg zur Polizei scheuen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

* Die JIM-Studie (Jugend, Information, Multimedia) ist eine Langzeitstudie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. www.mpfs.de/studien/jim-studie/2018/

Prof. Dr. Katrin Schlör ist Professorin für Kulturarbeit, ästhetische und kulturelle Bildung in der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg am Campus Reutlingen. (Web: www.die-medientdecker.de)

Hilfreiche Homepages zum Thema Cyber-Mobbing, die informieren und Betroffenen helfen:

www.klicksafe.de
www.juuuport.de/beratung/
mobbing-schluss-damit.de/

Weitere Formen von Gewalt im Netz:

Cyber-Grooming: Das Anschreiben von Minderjährigen durch Erwachsene in sexueller Absicht. Es ist illegal und kann angezeigt werden.
Hatespeech: Hasskommentare gegenüber Personen im Internet. Soziale Netzwerke müssen diese innerhalb von 24 Stunden löschen, oft dauert es aber länger.

Ein Beitrag von Verena Sophie Niethammer

Quellen: netzdurchblick.de ,kindersache.de

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