Heilfasten mit MS

Fasten ist keine Erfindung der modernen Welt – als eine Art von eigenverantwortlicher Gesundheitsprävention ist es eine jahrtausendalte Tradition. Schon der griechische Arzt und Lehrer Hippokrates, der als berühmtester Arzt des Altertums gilt, beschrieb 400 v. Chr. Fasten als wirkungsvolles Mittel zur Mobilisierung körpereigener Heilkräfte. Unter anderem trainiert Fasten den Stoffwechsel: Ist der Körper nicht mit der Verdauung beschäftigt, können wichtige Zellreinigungsprozesse (Autophagie) besser ablaufen. Fasten fördert also die körpereigene „Müllabfuhr“.

Frau hält verträumt eine Teetasse in der Hand

Was heißt Fasten?

Unter Fasten versteht man die freiwillige, selbstbestimmte, völlige oder teilweise Enthaltung von allen oder bestimmten Speisen, Getränken und Genussmitteln in einer bestimmten Zeitspanne. Dies kann einen Tag, mehrere Tage oder sogar über einen längeren Zeitraum (wie im Fall der Fastenzeit) andauern.

Fasten, das betonen Experten immer wieder, bedeutet nicht Entbehrung und Verlust der eigenen Lebensqualität. Nicht der zeitweise Verzicht auf Nahrung schadet unserem Körper, sondern der vorwiegend in reichen Ländern vorherrschende maßlose Überfluss an Lebensmitteln. Im besten Fall kann Fasten eine Änderung der bisherigen Essgewohnheiten bewirken und so zu einem bewussteren, nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln führen. Und zudem zu einer gesünderen, ausgewogeneren Ernährung.

Empfohlene (Heil-)Fastendauer

Nach Empfehlung der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) ist zu beachten, dass man für das Fasten als Standarddauer sieben bis zehn Tage plus einen Vorbereitungstag sowie danach drei Tage zur Normalisierung des Essverhaltens einplant. Gerade Anfänger sollten nicht gleich mit einer Dauer von zwei Wochen beginnen, um den Körper nicht zu überfordern. Die empfohlenen sieben Tage sind anfangs ausreichend, um einen Effekt zu verspüren. Fortgeschrittene, bei denen keine gesundheitlichen Probleme wie etwa ein niedriger Blutdruck, Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche oder erhöhtes Kälteempfinden, aber auch Menstruationsstörungen auftreten, können die vorgegebene Zeit verlängern. Am besten sollte man vorab mit dem behandelnden Arzt ein klärendes Gespräch führen. Solange es eine medikamentöse Therapie nicht negativ beeinflusst, sollte Fasten aber möglich sein. Generell empfiehlt sich das Fasten unter Aufsicht eines erfahrenen Experten.

klare Brühe

Fastenverpflegung

Eine allgemeingültige Empfehlung zur Fastenverpflegung gibt es nicht. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass man pro Tag nur circa 400 Kalorien als Nahrungsmenge zu sich nimmt. Frisch aus saisonalen Gemüsesorten zubereitete Gemüsebrühe kann die Versorgung des Organismus mit allen wichtigen Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen gewährleisten. Kartoffeln etwa sind gut für die Kaliumversorgung. Außerdem sollte man je nach eigenem Bedarf zwei bis drei Liter pro Tag trinken.

Fasten mit MS? Wie die MS-Erkrankung selbst ist auch das Fasten mit MS individuell zu sehen: Für wen sich das Fasten eignet oder nicht, sollte vorab mit seinem Arzt sprechen. Das Fasten ist bei einer „fehlgeleiteten“ Abwehrlage, unter der insbesondere MS-Betroffene leiden, unter Umständen hilfreich. Der bremsende Effekt des Proteinabbaus während der Fastenzeit kann dazu beitragen, das Immunsystem wieder zu normalisieren.

Aus frischen Kräutern zubereitete, ungezuckerte Kräutertees wie etwa Brennnesseltee wirken unterstützend bei der Ausscheidung von Giftstoffen. Gemüse- und Obstsäfte in Bioqualität im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt können außerdem den Flüssigkeitsbedarf decken. Hier ist das stetig nach strengen Vorgaben kontrollierte Trinkwasser aus der Leitung zu empfehlen oder alternativ kohlesäurearmes und natriumarmes Mineralwasser.

Ein weiterer Tipp: Wasser aus Zitronen zubereiten, welches appetithemmend wirkt. Lauwarmes Zitronenwasser wird in der ayurvedischen Heilkunst seit Jahrtausenden eingesetzt. Neben der Aktivierung der Gallenproduktion, was wiederum für eine bessere Fettverdauung sorgt, hat Zitronenwasser einen nicht minder wichtigen Effekt: das Entgiften des Körpers. Denn belastend für den Körper ist neben Alkohol, Nikotin und Medikamenten auch Zucker. Für die Entgiftung des Körpers verantwortlich ist die Leber, sie beseitigt außerdem Bakterien und defekte Zellen.

Jedoch sollte man mit dem täglichen Trinken von Zitronenwasser achtsam umgehen. Denn jede:r verträgt dieses anders. Daher lieber erst mal morgens – am besten gleich nach dem Aufstehen – ein Glas mit 250 ml trinken.

Resümee

Nicht nur durch eine Verbesserung der Symptome, sondern auch durch das gute Gefühl, mittels Fasten den Krankheitsverlauf selbst aktiv beeinflussen zu können, erhöht Fasten die eigene Lebensqualität. Entscheidend ist dabei aber immer die individuell unterschiedliche Ausprägung der MS-Erkrankung.

Claudia Egert

Quellen: dge.de, fasten-liebe.de, gesundheit.de, ms-begleiter.de, ndr.de, ratgeberzentrale.de, utopia.de, wikipedia.org, nathalie-todenhoefer-stiftung.de
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