MyoCamp 2019. Auf den Spuren der Indianer

MyoCamp 2019. Auf den Spuren der Indianer

Im MyoCamp können Kinder mit Armamputation oder Dysmelie ihre Fähigkeiten im Umgang mit ihrer myoelektrisch gesteuerten Armprothese spielerisch trainieren.

Eines der Teilnehmerkinder, die achtjährige Magdalena, trägt erst seit zwei Jahren eine Armprothese. Durch einen tragischen Unfall in der Schreinerei ihres Vaters verlor sie 2017 ihre linke Hand. Trotz dieses schweren Schicksalsschlags akzeptierte Magdalena ihre Myo-Prothese überraschend schnell. Sie steuert das Hilfsmittel inzwischen völlig intuitiv an und verwendet beide Arme absolut gleichrangig.

Die anderen Teilnehmerkinder haben, im Gegensatz zu Magdalena, von Geburt an ein „kleines Ärmchen“, wie sie es nennen. In der Fachsprache bezeichnet man diese Erkrankung als angeborenen Gliedmaßendefekt (Dysmelie). Die betroffene Extremität war hier von Anfang an nicht angelegt oder sie wurde im Mutterleib abgeschnürt. Im klinischen Bild gleicht dieser Defekt einer Amputation und kann deshalb mit einer Prothese behandelt werden.

Das diesjährige Myo-Training stand unter dem Motto „Auf den Spuren der Indianer“. Das Bildungszentrum in Brannenburg am Fuße des Wendelsteins stellte sich mit seinem Panorama-Bergblick als optimaler Veranstaltungsort heraus. Im Mittelpunkt des Camps stand das gemeinsame Basteln, das die Feinmotorik der Kinder trainieren sollte. In diesem Rahmen entstanden Steckenpferde, Indianergewänder, Federschmuck, ein Marterpfahl und bunte Indiacas, mit denen die kleinen Indianer ihre Treffsicherheit üben konnten.

Ob anschleichen, Perlen auffädeln, Dosen abwerfen, angeln oder auf der Slackline balancieren – die jungen Camp-Teilnehmer hatten einen Riesenspaß. Höhepunkt der Woche war der gemeinsame Ausflug zum Reiterhof. Vor Ort konnten sich die Indianer zunächst auf einem großen Spielplatz austoben, bevor sie sich aufs Pony schwangen. Beim gemeinsamen Einnehmen der Mahlzeiten wurde täglich das Hantieren mit Messer und Gabel eingeübt. Vier engagierte Physiotherapeuten betreuten die Gruppe von morgens bis abends. Jeden Tag bot außerdem ein Orthopädietechniker-Meister technischen Support an und stand für Fragen zur Verfügung.

Die Eltern signalisierten vor allem, wie wichtig es für ihre Kinder ist, auf andere betroffene Kinder zu treffen. Die Kleinen tauten schnell auf, schlossen neue Freundschaften und hielten sich brav an die Regel, ihre Prothese den ganzen Tag lang zu tragen – für viele eine echte Herausforderung. Umso beeindruckender war es, wie konzentriert und geduldig die Kinder alle Aufgaben, die ihnen gestellt wurden, meisterten. Oft halfen sie sich auch, völlig selbstverständlich, gegenseitig.
Zu Beginn und am Ende des Camps wurde mit jedem einzelnen Teilnehmerkind ein Test durchgeführt, der die Fähigkeit misst, mit der myoelektrisch gesteuerten Prothese alltägliche Handgriffe auszuführen. Bei jedem Kind konnte nach dem fünftägigen Camp eine deutliche Verbesserung festgestellt werden.

 

 YouTube: MyoCamp 2019 – Training mit myoelektrischen Armprothesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Pohlig