Oftmals ohne Symptome: Bluthochdruck bei Kindern

Bluthochdruck ist heute kein reines Erwachsenenthema mehr. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass mittlerweile zunehmend auch Kinder und Jugendliche auffällige Blutdruckwerte haben. Insbesondere bei übergewichtigen und fettleibigen Heranwachsenden sind die Werte erhöht. Das Tückische: Da die Hypertonie (Bluthochdruck) gerade im Kindesalter praktisch keine Beschwerden verursacht, wird sie meist zu spät erkannt.

Etwa jedes vierte übergewichtige Kind hat Bluthochdruck.

5 Kinder auf einem Basketballplatz

Was genau bedeutet überhaupt Blutdruck?

Der Blutdruck zeigt an, mit welchem Druck das Blut durch die Arterien der Kinder fließt. Üblicherweise wird er als Zahlenpaar aus maximalem (systolischem) und minimalem (diastolischem) Wert angegeben. Gemessen wird am Oberarm des Kindes und Jugendlichen in der Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Dabei sollte das Kind oder der Jugendliche während der Messung möglichst entspannt sein. Der obere (systolische) Wert gibt den höchsten Druck in den Blutgefäßen an. Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien pumpt. Anschließend erschlafft das Herz und füllt sich erneut mit Blut, der Druck wird geringer. In dieser Phase wird der untere (diastolische) Wert gemessen.

Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Sie schädigt die Gefäßwände und kann schwerwiegende Folgen haben. Wird sie nicht rechtzeitig vom Kardiologen erkannt und behandelt, können bereits im jungen Erwachsenenalter Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen auftreten. Zudem ist mit einer kürzeren Lebensdauer zu rechnen.

Weil immer mehr Kinder und Jugendliche einen zu hohen Blutdruck haben, sollen Kinderärzte bei Vorsorgeuntersuchungen auch den Blutdruck kontrollieren. Das geht aus der europäischen Leitlinie zum Management der juvenilen Hypertonie hervor.

Bewegungsmangel und Übergewicht sind die Hauptprobleme

Schuld an der besorgniserregenden Entwicklung sind vor allem Übergewicht und Bewegungsmangel. Eine maßgebliche Rolle scheint dabei die heutige Mediennutzung zu spielen. Studien ergaben zum Beispiel folgenden Zusammenhang: Mit jeder zusätzlichen Stunde, die ein Kind vor dem Fernseher verbringt, erhöht sich die Gefahr für Übergewicht um 22 Prozent. Das Risiko steigt noch mehr, wenn das Fernsehgerät im Kinderzimmer steht oder wenn während des Essens ferngesehen wird.

Kontrolle ist entscheidend

Kinder und Jugendliche mit einem zu hohen Blutdruck haben oft auch im weiteren Lebensverlauf zu hohe Werte. Deshalb es wichtig, frühzeitig einen Bluthochdruck zu erkennen.  Empfehlenswert ist, dass zumindest zur Einschulung bzw. mit beginnender Pubertät der Blutdruck gemessen werden sollte. Das gilt vor allem bei übergewichtigen Kindern.

Wünschenswert wären jährliche Kontrollen bei allen Kindern ab dem dritten Lebensjahr im Rahmen ärztlicher Vorstellungen (Vorsorge), so die Empfehlung der Kinderkardiologen.

Bei Kindern unter drei Jahren sollte der Blutdruck bei folgenden Risikofaktoren überwacht werden:

  • Frühgeborene mit intensivmedizinischer Therapie
  • angeborene Herzerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Behandlung mit Medikamenten, die den Blutdruck beeinflussen
  • Hinweis auf erhöhten Hirndruck

Wann sind die Werte erhöht?

Der normale Blutdruck ist bei Kindern und Jugendlichen niedriger als bei Erwachsenen. Dieser liegt ca. bei 120/70 mm Hg. Der Blutdruck ist dabei abhängig vom Lebensalter, aber auch von der Körpergröße. Als grobe Orientierung gibt die Deutsche Hochdruckliga folgende Werte an:

Neugeborene:  60/35 mm Hg
1. Lebensjahr:  85/40 mm Hg
4 Jahre:                95/50 mm Hg
8 Jahre:                100/60 mm Hg
12 Jahre:             105/62 mm Hg

ab 16 Jahren:    115/65 mm Hg

Mädchen mit Bund Möhren in der Hand

Behandlung

Neben dem Bewegungsmangel und dem daraus resultierendem Übergewicht ist die familiäre Veranlagung ein wichtiger Faktor für eine Hypertonie. Hinzu kommen weitere Kriterien wie Passivrauchen oder Medikamente gegen ADHS. Symptome für Bluthochdruck können u. a. Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Müdigkeit und Schmerzen in der Brust sein.

Empfehlung

Da Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte und Diabetes mellitus die Hauptursachen für Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen sind, empfehlen Kinderärzte und Kardiologen, das Gewicht zu reduzieren, sich gesund zu ernähren und Ausdauersport zu treiben.

Ein Ausdauertraining von einer halben Stunde pro Tag kann den Blutdruck bei Kindern und Jugendlichen um 4 bis 9 mm Hg senken.

Quellen: ptaheute.de, hochdruckliga.de, citypraxen.de, dgkj.de
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