Otto Waalkes im Interview

Lieber Herr Waalkes,
vielen Dank, dass Sie sich für unsere „besonderen Kinder“, so nennen wir die Kinder mit Handicap, Zeit genommen haben.

Sie gelten als einer der erfolgreichsten Vertreter des deutschen Humors. Wenn man Ihnen zuschaut, springt der Funke auf das Publikum über und Ihre Sketche, Lieder und Parodien sind fröhlich, erfrischend und manchmal auch selbstironisch.

Wie erklären Sie sich die Wirkung auf die Zuschauer?

Na ja, ich hab‘ einfach Glück, dass immer wieder neue kleine Zuschauer geboren werden, auf die ich noch erfrischend wirke. Meine Zuschauer von früher bringen ja inzwischen ihre Urenkel mit! Die sehen meine Zwergenfilme oder „Ice Age“ und lernen so Otto kennen – und auf einmal sitzen da vier Generationen im Publikum.

Das Gute ist, dass ich alle Altersgruppen selbst ganz gut vereine: Ich habe den Haarwuchs der Zweijährigen, den Körperbau der Zwanzigjährigen, die Energie der Vierzigjährigen und die Haut der Achtzigjährigen im Saal. Ich habe immer ganz neue Lieder und ganz alte Scherze mit dabei – die Jungen wollen ja schließlich auch mitreden können bei den Alten am Sterbebett. Also für jeden etwas!

Gab es eine Situation oder Begegnung insbesondere mit Kindern, die Sie besonders berührt hat?

Wenn ich sehe, wie die Kinder lachen, bin ich jedes Mal berührt! Außerdem berühren mich alle Kinder immer nach der Show und machen Fotos, an jedem einzelnen Abend auf meinen Tourneen. Einmal kam ein Vater mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm zu mir und sagte: „Schau mal, Marie, des isch de Sid!“ Und ich hab‘ extra für die Kleine die Sid-Stimme gemacht: „Manni, Diego, wo seid ihr?“ Sie hat mich halb glücklich angeguckt, weil sie die Stimme ja kannte, und halb skeptisch, weil sie nicht verstanden hat, wieso Sids Stimme bloß aus diesem komischen alten Mann rauskommt. Da kam ich auf die Idee, Sid als Handpuppe in mein Programm einzubauen. Das finden die Kinder stark.

Integration und Inklusion sind zurzeit wichtige Themen und in aller Munde. Wie sieht in Ihren Augen eine gelungene Inklusion aus?

Man darf einfach keine Unterschiede machen. Alle Kinder sollen zusammen spielen und toben und lernen und Quatsch machen, egal, wie viele Beine sie haben oder ob sie gleich gut sehen oder hören. Das spielt keine Rolle. Und Kinder machen da sowieso keinen Unterschied.

Sie als facettenreicher Komiker, Schauspieler und Synchronsprecher sind viel beschäftigt, auch noch mit 70 Jahren – Gratulation! Wo sehen Sie hier Ihre größte Leidenschaft?

Auf der Bühne stehen, vor Publikum, ist immer das Größte für mich. Das direkte Feedback: Ich mache was – singen, Gitarre spielen, erzählen, holladahiti – und die Leute lachen und klatschen.

Beim Malen oder Schauspielern oder Synchronsprechen gibt es das nicht, da ist immer eine Distanz. Da bin ich nicht dabei, wenn die Leute es sich angucken; ich bekomme nicht mit, ob sie lachen, und sitze dann zu Hause und frage mich, ob alles auch richtig angekommen ist. Ich kann ja schlecht jeden anrufen und fragen. Von manchen Fans hab‘ ich ja noch nicht mal die Telefonnummer!

Das Magazin Momo ist für Kinder und Eltern, die besonders sind. Es soll Mut machen und eine Plattform bieten, auf der Eltern und Betroffene die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Haben Sie eine Lebensphilosophie für unsere kleinen und großen Leser?

Zu viel des Guten kann auch ganz schön sein! Bleibt, wie ihr seid, und macht weiter so – ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!

Vielen Dank dafür, dass sie es schaffen, den Zuschauern stets ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Ach was, das ist doch keine Zauberei! Einfach immer schön die Mundwinkel oben halten, dann klappt das schon!

Interview Martina Lange

Fotos: Daniel Reinhold © Ruessl Musikverlag GmbH, C.-Lechtenbrin, Otto-Waalkes