Sanam Afrashteh im Interview

Liebe Frau Afrashteh, Sie sind eine sehr gefragte Schauspielerin, umso mehr möchten wir uns bei Ihnen bedanken, dass Sie sich für unsere „besonderen Kinder“, so nennen wir die Kinder mit Handicap, Zeit genommen haben.

In Ihren Rollen sind Sie sehr facettenreich und stehen unter anderem auch mit Kindern vor der Kamera. Ich denke da an Ihre Rolle in der Serie „Löwenzahn“ als Yasemin.

Was an dieser Rolle hat Sie besonders fasziniert?

Yasemin vereint vieles, was ich an einem Menschen schätze: Sie ist sehr einfühlsam und hat immer Zeit und ein offenes Ohr für ihren besten Freund Fritz Fuchs. Gleichzeitig ist sie eine starke und selbstbewusste Frau, die mit aller Kraft und Liebe ihren kleinen Kiosk betreibt. Ich mag ihre Tatkraft und ihr großes Herz.

In Ihrer Filmrolle als Anästhesistin, in der Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“, sind Sie trotz hohen Arbeitsdrucks mit Patienten konfrontiert, gegenüber denen kaum ein Platz für Menschlichkeit und Empathie in der Klinikroutine bleibt. Sie kriegen das aber hin.

Ist das nur eine „Rolle“ oder ist diese Umsetzung ein Teil Ihres Lebens?

Ich denke schon, dass viel von mir in die Rolle der „Leyla Sherbaz“ mit einfließt. Im Stress des Alltags und in der Routine unserer Abläufe bleibt immer Zeit für ein Lächeln oder ein freundliches Wort – und das ändert manchmal so viel. Deshalb versuche ich das auch in meinem Leben so zu handhaben und nicht nur als Ärztin vor der Kamera.

Integration und Inklusion sind zurzeit wichtige Themen und in aller Munde.

Wie sieht in Ihren Augen eine gelungene Inklusion und Integration aus?

Integration bedeutet für mich nicht, dass sich die eine Seite komplett in die Welt der anderen „reinpressen“ muss. Inklusion und Integration findet da statt, wo man sich auf Augenhöhe begegnet und merkt, dass beide Seiten voneinander lernen und aneinander wachsen können, aufeinander zugehen, eine gemeinsame Welt schaffen, in der jeder gleichermaßen wichtig ist und seinen Teil dazu beiträgt, diese Welt zu dem besonderen Ort zu machen, der sie ist. Das ist in meinen Augen gelungene Integration und Inklusion.

Wenn Sie unsere gesellschaftlichen Strukturen beeinflussen könnten, was wäre Ihr erstes Anliegen?

Wenn ich könnte, würde ich dafür sorgen, dass Berufe in der Pflege, Erzieher und Lehrer besser bezahlt werden und besser aufgestellt sind, denn in meinen Augen sind das die Säulen unserer Gesellschaft. Ich würde Kindergärten und Schulen so ausstatten, dass „besondere Kinder“ gemeinsam mit den anderen aufwachsen und lernen können, damit weniger Berührungsängste und mehr Gemeinsamkeiten entstehen. Ich würde veranlassen, dass Menschen, die im Alter Hilfe und Zuwendung brauchen, sie auch bekommen. Ich wünsche mir, dass wir diejenigen, die unsere Unterstützung am nötigsten brauchen, nicht allein lassen, sondern in unsere Mitte aufnehmen – wo sie hingehören.

Sie als engagierte und berufstätige Mutter sind in Ihrem Job sehr eingespannt und durch die geographische Entfernung auch nicht permanent in der Nähe Ihrer Tochter und Ihres Partners.

Wie kriegen Sie diesen Spagat hin? Oder kommt dann bei Ihnen schon einmal ein schlechtes Gewissen auf?

Ich versuche immer, kein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich meiner Tochter zeigen will, dass ich meinen Beruf gern ausübe – aber so ganz gelingt es mir nicht immer. Es gibt Tage, da bin ich ganz schön überfordert. Aber ich versuche, immer dort, wo ich bin, wirklich zu sein, und nicht im Kopf noch im „Vorhin“ oder im „Nachher“. So arbeite ich, wenn ich arbeite, und wenn ich bei meiner Tochter bin, bin ich voll und ganz Mama. Das hilft gegen das schlechte Gewissen.

Das Magazin Momo ist für Eltern und Kinder, die besonders sind. Es soll nicht nur Mut machen, sondern auch eine Plattform bieten, auf der Eltern und Betroffene die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Betroffene Eltern für Eltern!

Haben Sie eine Lebensphilosophie für unsere kleinen und großen Leser?

Sei selbst das Licht, das du in der Welt suchst. (Buddha)