Team Fordzilla mit barrierefreiem „Gaming Transit“ unterwegs

Inklusion Diversität Junge mit Behinderung vor Fahrsimulator

Der Ford Transit „Vanzilla“ bietet Kindern und Jugendlichen eine einzigartige barrierefreie Gaming-Erfahrung. An sechs Stationen in Deutschland macht Ford im August mit dem barrierefreiem und inklusivem Gaming-Transit halt. In sozialen Einrichtungen und Schulen können rund 350 Kinder und Jugendliche an der Aktion teilnehmen.

Das barrierefreie Nutzfahrzeug wurde mit High-Tech-Gaming-Technologie ausgestattet, z. B. mit einer Rollstuhlrampe sowie adaptivem Controller, damit auch Kinder und Jugendliche mit eingeschränkter Mobilität mitmachen können.

Die schönen Momente der Tour sind hier einsehbar:

https://youtu.be/8y4auDlkExw

Angelo Bülow, Kapitän der deutschen Team Fordzilla-Mannschaft, sagt: „Es war großartig, Teil dieser besonderen Roadtour zu sein und zu sehen wie viel Spaß die Kinder und Jugendlichen beim Gamen hatten. Das Thema Inklusion liegt mir und dem gesamten Fordzilla Team sehr am Herzen, daher freut es mich umso mehr, dass wir mit dem Vanzilla nun eine tolle Möglichkeit haben, dieses Engagement auch zu zeigen.“

„Ganz stark finden wir, dass die Nutzung des Gaming-Vans auch für Kinder und Jugendliche im Rollstuhl möglich ist. Inklusion ist in unserer Gesellschaft ein ganz wichtiges Thema, auch und vor allem beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Köln“, ergänzt Mathias Nowotny vom Deutscher Kinderhospizverein e.V..

Das barrierefreie Fahrzeug mit inklusiver Gaming-Technologie wurde entwickelt, um Kindern mit eingeschränkter Mobilität ein aufregendes und ansprechendes Spiel-Erlebnis zu bieten. Der Gaming-Transit ist so konzipiert, dass er für alle teilnehmenden Spieler problemlos zugänglich ist.

Updates zu den Aktivitäten des Teams Fordzilla findet man hier:

Twitter (@TeamFordzilla)

Instagram (@teamfordzilla)

Twitch (@TeamFordzilla).

Sowie auf der Homepage: https://teamfordzilla.com/

Foto: Ford Werke GmbH

Inklusion ist mehr als gemeinsamer Unterricht

Gastbeitrag von Dr. Tobias Böcker, Geschäftsführer der SRH Schulen GmbH in Neckargemünd

Bisweilen scheint sich die Diskussion um Inklusion ausschließlich auf die Themen „Schule“ und – enger – „Gemeinsamer Unterricht“ zuzuspitzen. Für Dr. Tobias Böcker, Geschäftsführer der SRH Schulen GmbH in Neckargemünd, ist Inklusion vielmehr eine selbstverständliche Grundanforderung an die gesamte Gesellschaft in allen Lebensphasen und Lebensbereichen. Vor diesem Hintergrund beleuchtet er den konstruktiven Beitrag der Sonderpädagogik zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Inklusion.

Inklusion – Chancengerechtigkeit und Teilhabe

Der Inklusion geht es um Chancengerechtigkeit, Toleranz und Teilhabe, um die Achtung von Menschenrechten, Grundfreiheiten und Vielfalt, um Solidarität und den vorbehaltlosen Zusammenhalt der Gesellschaft. Aufs Ganze gesehen ist das entscheidende Ziel die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in unserer Gesellschaft. Dazu gehören die Chancengleichheit in der Bildung von Anfang an, die berufliche Integration und substantiell die Selbstbestimmung des Menschen in einer barrierefreien Gesellschaft. Es geht darum, dass Menschen ihr Leben in ungehindert selbstbestimmter Biografie aktiv und eigenständig entwerfen, gestalten und verantworten.

Schule – Erfahrungsraum und Trainingscamp

Unabhängig von ihrer konkreten Form definiert die Schule als solche einen biografischen Abschnitt des Übergangs. Schule ist kein Selbstzweck; sie fungiert einerseits als sozialer (Selbst-)Erfahrungsraum und andererseits als Trainingscamp für das, was danach kommt.
Für junge Menschen ist die Begegnung auf Augenhöhe mit Respekt, Geduld und Wertschätzung eine substantielle Lebenserfahrung – nicht allein im schulischen Kontext. Schule hat ihren Sinn indes nicht nur im aktuellen Lebensabschnitt der Schulzeit und in den damit verbundenen sozialen Erfahrungen, sondern wesentlich auch im zukunftsbezogenen Ausblick auf den weiteren Lebensweg. Sie dient dazu, zu lernen, Lebenskompetenz zu entwickeln, Ressourcen zu stärken, Begabungen zu finden und zu fördern. Der schöne Spruch „Der Weg ist das Ziel“ kann keine ausschließliche Geltung beanspruchen. Ebenso gilt: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“.

Sonderpädagogik – positives Feedback und individuelle Bildungschance

Der sonderpädagogische Ansatz der SRH Schulen sorgt für ganzheitlich stärkende Erfahrungen in der Peergroup, u. a. auch in der sogenannten „umgekehrten Inklusion“. Diese reichern die individuelle Bildungsbiografie unmittelbar positiv an, geben den Kindern und Jugendlichen positives Feedback und stärken ihr Selbstwertgefühl.
Schule und Unterricht berücksichtigen die individuellen Gegebenheiten, Begabungen, Neigungen und Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen. Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche in manchen Lebenssituationen oder -abschnitten einer auf sie zugeschnittenen, intensiven Zuwendung sowie spezifischer Ressourcen und individueller Förderung bedürfen. Dazu halten wir ein umfassendes sozial-, schul- und sonderpädagogisches Angebot vor, das von den Bedürfnissen des einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen ausgeht.

Deine Bildung, dein Leben – Heidelberger Plan

Unser „Heidelberger Plan“ fasst die wesentlichen Anliegen unserer Pädagogik unter vier leitenden Schlagworten zusammen:
• Alle annehmen – Vielfalt und Inklusion
• Leben entwerfen – Persönlichkeitsentwicklung und Lebenskompetenz
• Aktiv beteiligen – Mitbestimmung und Selbstwirksamkeit
• Gemeinsam verantworten – zusammen arbeiten in Netzwerken

Das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum versteht sich als ein intensives, inklusives Angebot eigener Art. Es lässt sich nicht auf die Rolle einer Art Restschule für – bedauernd beiseite gestellte – „nicht inkludierbare Fälle“ in einer ansonsten „inklusiven“ Schullandschaft reduzieren. Im Gegensatz zu solch zynischen Überlegungen sehen wir uns als ein Kompetenzzentrum, das individuell angepasste Ressourcen in differenzierter Form verfügbar macht, neben der Lernsituation im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum auch in kooperativen Settings in Zusammenarbeit mit allgemeinen Schulen oder in der aktiven Unterstützung schulischer Inklusion.

Fazit – Sonderpädagogik, ein Motor der Inklusion

Die SRH Schulen GmbH versteht Inklusion als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir leisten unseren biografieorientierten Beitrag zur Ermöglichung von umfassender, chancengleicher Teilhabe, wie sie jeder Lebensentwurf zu Recht für sich in Anspruch nehmen kann. Sonderpädagogik ist in diesem Selbstverständnis keine ausgrenzende Bremse der Inklusion, sondern ein Motor, der ihre Dynamik voranbringt.


Die SRH Schulen GmbH betreibt in Neckargemünd zwei Sonderpädagogische Beratungszentren, die Stephen-Hawking-Schule mit Internat (Förderschwerpunkt körperlich motorische Entwicklung) und die Viktor-Lenel-Schule (Förderschwerpunkt sozial emotionale Entwicklung) sowie ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote der Jugendhilfe. Die Kernkompetenz liegt in einer über 40-jährigen Tradition als Träger von sonderpädagogischen Bildungseinrichtungen und Jugendhilfemaßnahmen.


Text und Fotos: SRH Schule

Was macht eigentlich Sonea?

Sonea liebt die Eiskönigin, alles, was glitzert und pink ist. Einhörner, Elfen und Meerjungfrauen findet sie mindestens genauso toll. Und manchmal taucht sie selbst ab in wunderbare Fantasiewelten.

Ihre Fantasie löst in mir sowohl ein Gefühl totaler Faszination und Begeisterung aus als auch hin und wieder eines grenzenloser Genervtheit. Wenn mal wieder ihr ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt wurde, weil in ihrem Playmobil-Krankenhaus eine komplizierte Operation durchgeführt wird, es um Leben und Tod geht und die Spritze unauffindbar ist. Oder wenn sie mal wieder ein „magisches Buch“ bastelt und der ganze Boden voller Papierschnipsel liegt.

Sonea liebt es aber auch, bei lauter Musik zu tanzen und mitzusingen. Tanz- und Singlehrerin möchte sie irgendwann einmal werden. Und ich denke jedes Mal: Zum Glück hat sie noch ein bisschen Zeit, ihre Wünsche zu überdenken. Viele Berufswünsche hatte sie schon: Ärztin wollte sie werden, bei McDonald‘s oder im Kindergarten arbeiten. Letzteres könnte ich mir sogar richtig gut vorstellen.

Sie wird ihren Weg gehen, davon bin ich fest überzeugt. Auch wenn ihr Weg sicherlich steiniger und beschwerlicher sein wird als der vieler anderer. Die meisten haben bislang gar nicht erst gewagt, ihn zu gehen. Andere sind leider nach einer Weile gescheitert, am Inklusions-Pfad.

Nachdem wir fünf Jahre turbulente Grundschulzeit hinter uns gelassen und diesen Weg immer wieder hinterfragt hatten, wagten wir im Sommer trotzdem, den nächsten steilen Gipfel zu erklimmen.

Inklusion ist immer noch nicht so selbstverständlich, wie sie in der heutigen Zeit eigentlich sein sollte. In den letzten Jahren haben wir oft gehadert, weil Sonea nicht gerne in die Schule gegangen ist. Den Grund dafür konnten wir nie wirklich herausfinden. Wir haben uns oft gefragt, ob Überforderung oder Ausgrenzung der Grund sein könnte. Aber wahrscheinlich war es einfach die Summe vieler Faktoren.

Einer davon war, dass Sonea sein möchte wie alle anderen. Selbstbestimmt und ohne Schulbegleitung, die sie nun mal hat. Sonea hat das Down-Syndrom, und auch wenn es nur eines von sehr vielen Merkmalen ist, die sie ausmachen, und obwohl es in unserem Familienleben schon sehr lange keine zentrale Rolle spielt, kann es manchmal echt nerven.

Genauso wie die Pubertät, in der Sonea inzwischen mit beiden Beinen steckt. Stimmungsschwankungen, plötzliche Wutausbrüche, andere veräppeln oder nachäffen sind gerade an der Tagesordnung – wie bei so vielen anderen Familien mit fast zwölfjährigen Töchtern auch. Da sind sie einfach alle gleich, egal wie viele Chromosomen sie haben.

Trotz vieler Sorgen und Bedenken fühlt sich die Entscheidung für die weitere Inklusion an einer Gesamtschule bis jetzt genau richtig an. Heute erst hat Sonea eine 3+ in ihrer Deutscharbeit mit nach Hause gebracht. Sie hat die gleiche Arbeit geschrieben wie alle anderen Kinder in ihrer Klasse und die Arbeit wurde auch genauso bewertet wie alle anderen.

Wir sind alle mächtig stolz auf sie und es erleichtert mich wirklich sehr zu sehen, wie gerne sie aktuell in die Schule geht. Trotzdem blicke ich sorgenvoll in die Zukunft. Das Gelingen und die Selbstverständlichkeit von Inklusion hängen von so vielen Faktoren und Menschen ab. Bislang hatten wir immer großes Glück und viele engagierte Menschen um uns herum, die die Inklusion mit viel Herz vorangetrieben haben.

Sonea ist ein selbstbewusstes, willensstarkes Mädchen. Sie lässt sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen oder einschüchtern. Und ich hoffe, sie schafft es, sich das zu bewahren. Wir werden sie natürlich auf ihrem Weg begleiten, aber wir können sie nicht immer beschützen.

Ich bewundere sie für ihre Gabe, im Hier und Jetzt zu leben. Was gestern war und was morgen sein wird, beschäftigen sie nicht. Außer es stehen tolle Ereignisse an wie zum Beispiel ihr Geburtstag. Den plant sie schon Monate im Vorfeld sehr akribisch und weiß ganz genau, was sie will.

Manchmal wünsche ich mir auch ein bisschen, mehr wie Sonea zu sein.

Fotos: Privat Fam. Weides
Text: Katharina Weides